Dienstag, 27. Dezember 2011

Abenteuer Familienbesuche

Zu unseren Aufgaben gehört auch, dass wir Familien besuchen, die entweder finanzielle Unterstützung von Patenfamilien in Deutschland und Holland bekommen oder in dem Büro der Schwester waren, um ihr ihr Leid zu klagen.
Bei den Familienbesuchen geht es zu einem darum, dass wir uns ein Bild von der Lage machen, in der sich die Familien befinden,zum anderen herauszubekommen, ob das Wehklagen wirklich recht war und ob Dinge benötigt werden, wie die Familienmitglieder miteinander umgehen, ob die Kinder die Schule besuchen und in welchen Zustand die Häuser und Gerätschaften sind.
Dabei haben wir schon sehr viel zu Gesicht bekommen: Häuser, bei denen der Mörtel bröckelt, in dessen Fenstern keine Glasscheiben sind.
Ein Haus war fast komplett schwarz vor Schimmel. Die Bewohner wollten gerne renovieren, aber wahrscheinlich würde Abreißen der einzige Weg sein, um den Schimmel loszuwerden. Eines der Kinder war bereits krank geworden wegen des Schimmels.
In viele Häusern gibt es nur 3 Räume, die im Mittel nicht sehr groß sind. Eine Küche, ein Bad und ein Schlafzimmer sind oft Grundausstattung in den Hütten. Tagsüber werden die Matratzen für die Bewohner gestapelt, weil sonst kein Platz ist und nachts schlafen dann 7 Leute auf engstem Raum zusammen.
Die Häuser sind auch alle nicht klimatisiert, so dass es an warmen Tagen immer riecht, überall Fliegen herumschwirren, egal wie sauber das Haus sein mag und die Menschen eher auf die Straße in den Schatten eines Baumes flüchten als drinnen zu bleiben. Deshalb sieht man hier so oft die Menschen auf der Straße denke ich. Nicht, weil sie so gerne auf der Straße sitzen sondern weil es im Haus einfach noch heißer und stickiger ist als draußen.
Ich selbst kann mir natürlich nicht vorstellen in solchen Häusern zu leben. Und natürlich gibt es die reichen Familien, die 2 Wohnzimmer haben und ein Werkhaus mit riesigem Grill und einer Tischtennisplatte sowie einem Gemüsegarten.
Aber wir sehen die Viertel, in denen verbeulte Rostlauben vor den Häusern stehen, Tore nicht immer aus massivem Eisen sondern zusammengewürfelten Spanplatten bestehen, die beim nächsten Windstoß drohe umzufallen.
Ich möchte die Leute nicht bemitleiden, weil sie versuchen das Beste aus ihrer Lage zu machen doch schluckt man doch manchmal, wenn man einen kranken Mann im Bett liegen sieht, der seit Wochen im Sterben zu liegen scheint oder eine Familie besucht, dessen Fußboden aus plattgetretener Erde besteht.
Die Menschen sind freundlich und zuvorkommend, bieten ständig Getränke und Essen an und haben keine Hemmungen ihre Häuser zu zeigen.
Das lässt mich merken, dass die Leute kein Mitleid wollen sondern einfach Mitmenschen, die die Augen nicht verschließen sondern hinschauen und sich nicht fremdschämen oder schnell wieder verschwinden, weil das Haus nicht dem Standard entspricht. Ich glaube genau aus dem Grund ist ein Besuch von uns "Deutschen" immer noch besonderer als der Besuch der Schwestern. Weil wir "Deutschen" sowieso in besseren Häusern leben und sowieso mehr Essen haben und mehr Zimmer. So der Blick hier auf uns. Und durch den Besuch zeigen, dass andere Standarde (sagrt man das so?) Keinesfalls zu verachten sind!

Der Eintrag sollte eigentlich von einem Erlebnis handeln, was sich heute zugetragen hatte. Doch wie so oft beim Schreiben lenkt man plötzlich in eine ganz andere Richtung und der Eintrag bekommt einen völlig neuen Schwerpunkt.
Bei dem Ereignis handelte es sich auch nur darum, dass wir zu einer Adresse fuhren, weil dort eine 90 jährige Frau mit ihrem Adoptivsohn leben sollte. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass die Adresse zwar existiert, aber die angegeben Bewohner nicht. So versuchen einige Leute die Schwester im Büro an der Nase herumzuführen, um für sich ein paar Lebensmittel herauszuschlagen. Auch solche Menschen gibt es hier: Personen, die nicht viel haben, aber versuchen durch Lügen an ihre "Rechte" zu gelangen.

Ein Fazit gibt es zu diesem Eintrag nicht! Zumindest kein von mir verfasstes!

Montag, 26. Dezember 2011

Weihnachten mal anders

Dieses Jahr habe ich Weihnachten, wie ich natürlich bereits vorher wusste ganz anders gefeiert und erlebt.
Vom Wetter, über die Adventszeit bis zur Feier und den Begegnungen war alles neu und aufregend.
Die Adventszeit spielt an sich keine große Rolle in Brasilien. Man besingt nicht jede Woche den nächsten Advent, auch wenn es einen Adventskranz gibt. Auch habe ich nichts "besinnliches" mitbekommen, denn überall hat vor allem das Kaufen im Vordergrund gestanden. Und zwar schlimmer als in Deutschland meines Erachtens nach.
Im krassen Gegensatz zu diesem Gedrängel in den Geschäften, den vielen vielen Lichtern und der Werbung im Fernseher war die Arbeit mit den Familien.
Von unserer Schwester mitorgansiert und von vielen freiwilligen Helfern unterstützt findet jedes Jahr eine Aktion mit Ess-Körben hier in der Stadt statt.
Leute aus Deutschland oder reichere Brasilianer geben dann eine bestimmte Menge Geld, von dem Körbe mit Lebensmitteln gekauft werden: Reis, Bohnen, Nudeln, Tomatensoße, Dosenobst und der berühmte Pannetone (Kuchen) sind fast immer Hauptbestandteile der Körbe.
Diese Körbe werden dann zusammengestellt, ins Auto geladen und an Familien verteilt.
Ich habe hier in Brasilien nicht nur Konsum und Hektik mitbekommen, auch wenn ich es auffälliger fand als Zuhause. Doch ich habe etwas anderes kennen gelernt, was ich in Deutschland nicht wirklich mitbekommen habe (außer im Radio mit der Aktion Lichtblicke. Tolle Sache übrigens!).
Dankbarkeit von den Menschen, die sich keine leckeren Naschereien für den Advent leisten konnten. Dankbarkeit für die banalen Dinge, wie mal kurz vorbei schauen, fragen, ob alles in Ordnung ist, ein paar deutsche Süßigkeiten dalassen, weil man sowieso viel zu viele hat und dann frohe Weihnachten wünschen.
Unterstützung geben und kaum an sich denken. 
Es war wirklich das erste Weihnachtsfest, an dem ich kaum Geschenke bekommen habe. Seife, einen Schlüsselanhänger und ein geknüpftes Armband waren meine Geschenke. Und ein Parfume aus Deutschland ( :* ). Es war bescheiden, aber auf jeden Fall zufrieden stellend.
Kurz vor Weihnachten kam ein riesiges Paket mit Kinderkleidung hier an. Wir haben für eine Hochschwangere Kleidung ausgesucht und als sie kam und all die Sachen sah, war sie so gerührt und überwältigt, wie viel Kleidung in der Plastiktüte waren.  Ich hatte nicht gedacht, dass man sich so freuen kann.
Auch allgemein freuen sich die Leute so sehr, wenn wir bei unseren Besuchen eine Flasche Öl dalassen oder eine Tüte mit Nudeln. Wenn man bedenkt, an was für banalen Dingen es den Menschen hier fehlt bleibt einem nichts mehr zu sagen.
Es dauert eine Weile bis man realisiert, wie arm viele Menschen hier sind. Oft sieht man die Armut nicht auf den ersten Blick. Man sieht es an den ungewaschenen Haaren, die schlecht geschnitten sind, man merkt es an den Schuhen, die ausgelatscht und kaputt sind (man merkt es nicht an den Hosen und Shirts! ), man merkt es an den Körpern, die von der harten Feld- und Plantagenarbeiten muskulös und dürr gleichzeitig sind.
Man bemerkt diese krasse Armut nicht auf den ersten Blick. Wenn man in die Häuser geht, die nicht verputzt sind, in denen keine Fliesen liegen, durch dessen Mauerritzen es zieht, in denen es keine Türen oder Fensterscheiben gibt bemerkt man, wie es ist, nicht reich zu sein!
Zu Weihnachten bemerken Leute (denen es gut geht) mehr, dass sie von dem, was sie haben etwas abgeben können. Aber ich frage mich oft, ob sie es als Pflicht ansehen, weil man das so macht oder weil sie wrklich wissen, dass sie etwas so Kostbares und Gutes tun!
Ich sehe es als eine wertvolle Erfahrung gesehen zu haben und immer wieder zu sehen, dass Geld, was gespendet wird auch ankommt und was bewegt. Dass es glücklich macht und Menschen sich sehr dankbar zeigen.
Ich wünschte alle Leute, die Geld an irgendwelche Organisationen spenden würden dahinter blicken, dass sie nicht nur ihr Gewissen beruhigen (was bestimmt einige tun ;) ) sondern wirklich etwas Gutes tun, was Menschen in der Welt hilft.
Ich bin sehr dankbar für dieses Weihnachten mal anders. Verständlich? 

Dienstag, 13. Dezember 2011

Des Nachts....

Tagsüber passiert hier in unserer Wohngegend nicht viel. Es fahren Autos, Motorräder (einige mehr getunet als andere und somit schon 2 Minuten vorher zu hören) und Fahrräder. Menschen gehen am Konvent entlang und alle paar Stunden das "Gas- Auto" mit der Klaviermelodie "Für Elise", um sich anzukündigen. Man sollte also meinen, dass es richtig ruhig hier ist. Falsch gedacht. Sobald die Dämmerung einbricht oder noch besser es schon richtig dunkel ist und man eigentlich genau die selben Dinge wie tagsüber erwartet, denen man begegenen würde (außer dem Gas-Auto, wer kauft schon Abends um 8 noch Gas?) tritt ein ganz anderes Geräusch auf. Man stelle sich kurz vor man gehe über eine unbelebte Straße, an dunklen Häusern vorbei, alle paar Meter steht eine Laterne, die die Straße in orangenes Licht hüllt. Doch trotzdem gibt es zwischen den Laternen immer diese dunklen Streifen, an die das Licht nicht mehr heranreicht, bevor die nächste Laterne steht. In der Ferne hört man Autos und Musik. Man geht alleine durch die Wohnstraßen, immer schön auf dem Bürgersteig. Denn da ist man sicherer als auf der Straße.
F a l s c h  g e d a c h t !


JEDES Mal, wenn ich in dieser Situation bin, JEDES Mal, wenn wir durch die Straßen gehen passiert unvermittelt etwas, an was wir auch nach diesen Monaten immer noch nicht gewöhnt haben. Und JEDES Mal erschrecke ich mich zu Tode. Na, schon erraten, was passier?!

Diese blöden Hunde, die den ganzen Tag keinen Piep von sich geben springen einem entgegen und bellen wie Verrückte. Da hat man das Gefühl, sein letztes Stündchen hätte geschlagen, man würde gleich in Stücke gerissen oder zumindest ganz furchtbar gebissen, man überlegt sich wie ein panisches Kaninchen, wo man sich verstecken könne, ob der Zaun wohl keine Spitzen oben drauf hätte, damit man darauf flüchten könne, ob man wohl schneller als der Hund sei. Im Endeffekt muss man das natürlich alles nicht einmal im Ansatz tun, denn die Hunde befinden sich hinter den Zäunen, die jedes Grundstück hier umgeben. Trotzdem! Wenn ein Hund so wansinnig einige Zentimeter vor einem hochspringt (denn man dachte ja, der Bürgersteig sei sicherer als die Straße. Haha!) denkt man so.
Bei einigen Grundstücken wissen wir mittlerweile zwar, dass man einen Bogen machen muss, weil die Biester direkt angerannt kommen und Alarm schlagen. Doch lernt man immer wieder neue Hunde kennen.
Ich kann nicht ganz verstehen, wie man sich solche Hunde anschaffen kann. Natürlich ist es faszinierend, dass man sie so erzogen hat, dass sie bei Dunkelheit bellen und am Tage lediglich den Kopf von ihren Pfoten heben und träge schauen, wer denn da wieder vorbei geht. Dennoch kann ich mir etwas Schöneres vorstellen, als jedes Mal, wenn ein Passant am Grundstück vorbei geht Bescheid "gesagt" zu bekommen.
Naja, so ist das hier in Brasilien.
Und nächstes Mal passe ich wirklich besser auf und gehe nicht auf dem Bürgersteig!

Samstag, 10. Dezember 2011

Weihnachtsstimmung

Viele haben mich schon gefragt, wie ich es schaffe in Weihnachtsstimmung zu kommen, denn das sei in einem Land, in dem die "Kälte" (15°C ???) genau in der anderen Hälfte des Jahres liege nicht einfach.
Das kann ich bestätigen! Ich weiß zwar, dass zur Zeit Advent ist und dass in knapp 3 Wochen das Christkind kommt. Aber spüren tue ich davon dieses Jahr leider wenig. Damit meine ich nicht, dass ich die für den Advent tpyischen Dinge nicht tue!
Ich höre unser schönes Radio Sauerland im Internet, weil dort die schöne Weihnachtsmusik läuft, wir haben bergeweise Plätzchen gebacken, die wirklich köstlich sind. Ich habe Weihnachtsschmuck gebastelt, einen Adventskranz im Zimmer (bei dem ich immer noch keine Kerze angezündet habe...), 3 Adventskalender (an dieser Stelle ein riesen Dank an Lina& Meine Tanten und Onkel) und auch in der Stadt sieht man überall "Papai Noels" aus dem Fenster hängen und Licher blinken.
Doch mit spüren meine ich dieses Gefühl, was man verspürt, wenn Weihnachten näher rückt, wenn die Familie zusammen sitzt, der Kamin angemacht wird und es draußen kalt, nass und dunkel ist. Ich weiß, dass sich in Deutschland alle über "schlechtes Wetter" beschweren, doch glaubt mir! Zu Weihnachten ist Sonne und eine Durchschnittstemperatur von 26° C nicht sehr vorweihnachtlich und macht auch manchmal traurig. Aber nur manchmal, denn trotz des fehlden Gefühls genieße ich dieses neue Erleben der Adventszeit doch sehr!
Die Brasilianer stehen total auf Lichter! Überall in der Stadt findet man Figuren, die aus Lichterschläuchen geformt sind, Girlanden (gern auch blau und blinkend) und Lichterketten.
Letztes Wochenende wurde der See nach langer Schließung neu eröffnet. Jetzt sind überall Lichtgirlanden, Engel und in der Mitte des Sees entspringt eine riesige, ständig farbwechselnde Wasserfontäne. Außerdem gibt es ein Haus, in dem man täglich von 19-22 Uhr den "Papai Noel" (Weihnachtsmann) besuchen kann.
Also, die Brasilianer tuen schon sehr viel, damit man auch ja nicht vergisst, dass Weihnachten vor der Tür steht. Wie auch in Deutschland steht vor Weihnachten alle Welt (mhh) Kopf, weil man Geschenke kaufen muss, das richtige Essen zaubern will und die perfekte Feier mit der Familie möchte. Seit November stehen die Weihnachtsleckereien in den Supermarktregalen und die Dekos in den Schaufenstern. Nicht anders als in Deutschland würde ich behaupten. Nur Nikoläuse aus Schokolade gibt es hier nicht. . .
Am Stadtrand haben wir letzte Woche auch Kekse gebacken mit den Kindern, was ein großes Highlight für alle war. Obwohl Kekse backen nicht allzu verbreitet ist hier. Auch gibt es keine Adventskalender oder Kärnze. Schade eigentlich, aber dann gibt es wohl doch noch kulturelle Unterschiede! Auch gibt es hier kein Christkind, was Geschenke bringt.
So ist das hier mit der Weihnachtszeit. Ich genieße sie. Und eine Sache, die hier wie auch in Deutschland gleich ist ist der "Winter"speck, den ich mir angefressen habe. Aber das ist eine ganz andere Geschichte (oder lieber keine Geschichte ;) ).

Ich wünsche allen eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und vor allem Schnee und Minustemperaturen (ich meine das ernst!)

Wenn die Nacht zum Tag wird

Hier in Brasilien ist alles anders. Diesen Satz kann man wahrscheinlich auf fast jede Situation übertragen, auf das Essen, die Menschen, das Wetter, die Häuser und Gewohnheiten.
Eine Sache, die mir hier gut gefällt und die mit dem Wetter bestimmt zusammenhängt ist, dass der Tagesrhythmus der Brasilianer ganz anders als der der Europäer ist. Zumindest, was die weiter nördlich gelegenen Länder angeht. Für mich bedeutet das im ewigen Sommergefühl zu leben.
Während tagsüber kaum was los ist auf den Straßen (was verständlich ist bei 30° C im Schatten) kommen, sobald die Dämmerung hereinbricht alle Menschen aus ihren Häusern.
Das Schöne ist, dass das Leben hier nicht im Haus abläuft und auch nicht im Garten, wenn es denn einen gibt sondern am Besten vor der Haustür mit Blick auf die Straße und wenn es doch noch weiter geht auch gern auf dem Bürgersteig.
Dann werden die Stühle herausgebracht, die Musik im Wohnzimmer laut gedreht, alle Fenster aufgerissen und die Nachbarn eingeladen, sich doch dazu zu setzen und den neusten Tratsch auszutauschen.
Es ist herrlich gegen Abend durch die Straßen zu laufen, an vielen vielen (es sind wirklich viele) Bars vorbei zu kommen (in jeder dieser vielen vielen Bars sitzen sogar Leute!), Kindern mit Fahrrädern zu begegnen und das Leben zu beobachten, was sich abspielt.
Jetzt zur Weihnachtszeit beschränkt sich dieses bewegte Bild nicht nur mehr in den Wohnstraßen sondern auch auf der Hauptstraße, da die Geschäfte länger geöffnet sind. Verdrehte Welt! Tagsüber ist kaum etwas los in den Geschäften, ich dachte immer, dass die Brasilianer einfach nicht sooo viel einkaufen würden. Kommt man jedoch des Abends die Hauptstraße herunter gleichen die Bürgersteige wie Dortmunds Fußgängerzone an einen sonnigen Wochenende.
Da laufen mit Tüten beladene Frauen herum, Kinder mit Eis, Männer mit ihren Kumpels und junge Mädchen, aufgemöbelt bis ins kleinste Detail, die sich von den an den Straßenecken stehenden Jungs bewundern lassen.
Ich finde es herrlich zwsichen diesen Menschen zu sein, nicht von Weihnachtsstress gehetzt sondern ganz ruhig. Da fühlt man sich wahrhaftig in einen ewigen Sommer versetzt. Denn anders als hier, wo das ganze Jahr über reges Treiben bei Nacht herrscht wird in Deutschland nur in den Ferien oder manchmal am Wochenende ebenfalls die Nacht zum Tag.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Krabbeltiere

Ach herrlich, jetzt schreibe ich doch tatsächlich einen Eintrag über Krabbeltiere in Brasilien.
Wie auch in Deutschland gibt es hier natürlich Insekten und davon nicht zu knapp. In den ersten Wochen habe ich die Qualitäten der Stechmücken hier zu spüren bekommen. Gott sei Dank habe ich mittlerweile nicht mehr so viele Stiche.
Ein einziges Mal hatte ich eine Raupe im Salat. Auch direkt am Anfang in den ersten 2 Wochen. Das fand ich auch sehr ekelig und habe eine Woche keinen Salat mehr gegessen. Doch danach hat man doch wieder Appetit. 
Dann gibt es Kakerlaken hier. Ja, Kakerlaken sind ekelhaft, aber ich habe bis jetzt nur 3 gesehen. Direkt in den ersten 4 Tagen auf der Treppe eine lebendige, später auf der anderen Treppe im Konvent einen tote und dann noch einmal auf dem Gelände der Creche. Wirklich kein Grund zur Panik! Damit kann man ganz entspannt umgehen. Eine Kakerlaken-Plage habe ich hier noch nicht wirklich mitbekommen.
Ganz anders sieht es bei einer anderen Insektengattung aus.
Denn welchen Viechern (tut mir leid, aber so muss man diese Geschöpfe nennen) man hier immer wieder begegnet und zwar nicht nur im Waschbecken, an der Zimmerwand, im Mülleimer oder auf dem Boden sondern auch auf dem Essen, in den Süßigkeiten und überall auf der Haut sind die Ameisen. Ja richtig, nicht diese roten fiesen, die einem auf die nackte Haut pieseln sondern winzig kleine Ameisen, die nichts machen außer einen zum Wahnsinn zu bringen.
Wie schon geschrieben begrüßen mich die kleinen Tierchen bereits morgens im Waschbecken und jeden Morgen ertränke ich um die 5-30 Ameisen (ich glaube, die stehen auf Zahnpasta....). Es ist wirklich jeden Moren das gleiche Ritual.
Seit einigen Wochen haben die Ameisen es auch auf meinen Schreibtisch geschafft und krabbeln in meinem Netbook herum. Von da aus geht es dann, logischerweise, auf meine Arme, die sowohl in Kontakt mit dem Tisch als auch dem Netbook sind. Wenn ich aus dem Zimmer gehe verabschiedet mich eine malerische Ameisenstraße an der Wand, wenn ich wiedergekomme und genau auf den Boden schaue laufen auch dort Ameisen rum. Das ist wirklich was für kühle Köpfe.
Noch haben die Ameisen zum Glück noch nicht meine Süßigkeitenvorräte, die ich aus Deutschland geschicht bekommen habe für sich eingenommen. Man muss wirklich sagen "eingenommen", denn sind die possierlichen Tierchen erstmal irgendwo drauf oder drin bekommt man sie ganz schwer oder effektiv und ein für allemal mit Insektengift weg. Wobei die zweite Lösung nicht ideal ist, um Nahrungsmittel zu schützen.
Man darf wirklich nicht pingelig sein, was mir Anfangs wirklich schwer fiel, denn ich mag es eigentlich nicht so gerne Tiere zu töten. Was ich aber bei den Mücken schon nicht mehr eingehalten habe und bei den Ameisen jetzt erst recht nicht kann.
Für Nikolaus hatte ich Stutenkerle gebacken, sie mit einem Tuch abgedeckt und am nächsten Morgen. Mal raten? Natürlich, es waren richtig viele Ameisen auf den armen Männchen drauf. Aber statt die Armen Kerle wegzuschmeißen haben wir die Ameisen so gut es ging weggepustet!
Die Stutenkerle waren auf jeden Fall trotzdem lecker.
Ja, so ist das hier mit uns und den Krabbeltieren. Ich denke, ich werde auch weiterhin damit fertig, aber es härtet einen noch einmal zusätzlich ab!

Sonntag, 27. November 2011

Die Sprache

Mir ist aufgefallen, dass ich noch nichts über die Sprache hier geschrieben habe. Aber genauso fehlt hier noch ein Eintrag über das Essen allgemein (der auf jeden Fall noch folgen soll).
Über die Sprache möchte ich doch jetzt einige Gedanken los werden.
Bei mir funktioniert es mit dem Sprechen schon um einiges einfacher als am Anfang, obwohl es immer noch Verständigungsprobleme gibt (Lächeln und Ja oder Nein sagen funktioniert meistens ganz gut in solchen Situationen, doch manchmal geht das dann doch schief: Einmal wurde ich etwas gefragt, bejahte und die Tia fing herzhaft an zu lachen und wünschte mir gute Besserung. Eine andere Tia fragte mich darauf, ob ich nur Bier getrunken habe oder noch andere Dinge. Gut, es stellte sich heraus, dass die Tia gefragt hatte, ob ich sehr viel Alkohol am Wochenende getrunken habe und deshalb so ausseh... Ja ist bei so einer Frage natürlich die amüsantere Antwort...). Doch allgemein hat sich das Vokabular enorm erweitert und man filtert in Gesprächen die einzelnen Worte heraus und kann daraus einen Zusammenhang herstellen.
In diesem Artikel möchte ich etwas auf die Sprachmelodie eingehen. Anfangs klang für mich jeder Satz und jedes Wort gleich, die Betonung habe ich überhaupt nicht heraushören können und viele Worte hintereinander sprechen konnte ich auch nicht (meine Portugiesischlehrerin kann das bestätigen, sie war sehr geduldig :) ). Mittlerweile muss ich sagen, dass ich die Melodie, die die Brasilianer in ihr Gesprochenens legen liebe. Ich frage mich, ob Deutsch vielleicht für Leute, die diese Sprache lernen auch etwas melodiöses hat. Meiner Meinung nach "singen" die Brasilianer manchmal beim Sprechen. Dann wird die Stimme bis zum hohen A gehoben (C-Dur) und die Worte werden herrlich in die Länge gezogen (Beispiel: Junge im Imperial muss im UNO-Spiel 8 Karten ziehen. Kommentar dazu: Nooooooooossa, wobei das O in die Länge und in die Höhe gezogen wird. Kleine Info: "Nossa Senhora" ist eine geläufige Redewendung, sobald etwas überraschend oder extrem ist. So würde ich das beschreiben). 
Was man auch oft hört ist, dass Worte in die Länge gezogen werden, ohne, dass man die Stimme hebt (Beispiel: Iiiiso, wobei das I höher ist als das o am Ende, aber nicht viel höher als die normale Stimmlage. Kleine Info: "Isso" hat viele Bedetungen und wird in diesr Betonung meiner Meinung nach dann verwandt, wenn man nach einer Frage die richtige Sache in die Hand nimmt, macht oder versteht ).
Eine weitere Sache, die ich hier liebe ist das gerollte "R", was ich natürlich nicht nachmachen kann. Hier in Brasilien wird jedoch nicht immer gerollt sondern auch, und das war für mich neu das "R" wie im Englischen halb verschluckt. Wie ich das beschreiben soll, weiß ich leider nicht.
Andere kleine Worte, die hier verwendet werden sind das kurz gesprochene "e" (Mischung aus e und ä), um das Gesprochene des Gesprächspartners zubestätigen.
Oder ein "o" im Satz (Beispiel: O Viniiiiiiiicius; Beispiel: Aqui~o!; ).

Diesen Bericht, nur um einige Beispiele zu nennen.
Ich liebe die Sprache und hoffe, dass ich sie noch besser lernen werde!

Wenn ein Mädchen mal Prinzessin sein möchte...

... geht das hier in Brasilien am Besten, wenn sie ihren 15. Geburtstag feiert. Anders als in Deutschland ist es nämlich nicht von Bedeutung, wenn du 16 wirst und endlich feiern gehen darfst (bis um 24.00 Uhr oder 0.00 Uhr oder Mitternacht, jeder weiß, was gemeint ist) oder 18 bist und somit offiziell erwachsen (ich denke, dass ich volljährig bin, aber erwachsen noch lange nicht).
Hier wird der 15. Geburtstag gefeirt. Und wenn man es sich leisten kann so richtig!
Ich komme auf dieses Thema, weil wir gestern Abend bei der Köchin des Konvents eingeladen waren (es war ein wunderbarer Abend) und sie uns ein Fotoalbum und ein Video des Geburtstags ihrer Tochter gezeigt hat. Ich kritisiere hier keinesfalls die Feierweise oder die Tatsache, dass sehr viel Geld ausgegeben wird, wenn es möglich ist. Aber ich für meinen Teil muss sagen, dass ich mal lieber hier gewesen wäre als ich 15 geworden bin. Denn wer wollte sich nicht mal einen Tag wie eine Prinzessind fühlen? Ich denke, die Tochter hat sich auf jeden Fall wie eine gefühlt. Nicht nur, dass innerhalb von 7 Stunden die Garderobe sowie die Frisur dreimal gewechselt wurde. Es war alles super schön dekoriert, es gab Unmengen an Essen (bei diesen Informationen handelt es sich nur um von mir erschlossene Tatsachen aus dem Video des Geburtstages und des Fotoalbums), eine Leindwand war aufgebaut, viele Gäste= viele Geschenke und das Rührenste : Eine ganz stolze Mama :)
Ich weiß nicht genau, woher es kommt, dass der 15. Geburtstag hier in Brasilien so wichtig ist und ich hatte noch keine Motivation dies zu recherchieren. Es hat, zumindest beim Mädchen mit der Fruchtbarkeit zu tun, die mit dem 15. Lebensjahr eh.. offiziell wird? Wie auch immer.
Auf jeden Fall werden Feste in solch einem Ausmaß nicht gefeiert außer es handelt sich um die Hochzeit oder einen runden Geburtstag.
Was ich an dieser ganzen Geschichte am Rührensten fand war, dass es in Brasilien ganz selbstverständlich ist, einen Gast am Familienleben teilhaben zu lassen. Mit Tränen in den Augen haben Mutter und Tochter uns das Video gezeigt, Fotos erklärt und keinen Hehl daraus gemacht, dass es ein wirklich schöner Tag war! Falsche Bescheidenheit gibt es hier wirklich nicht. Ein anderes Mal waren wir bei einer Tia der Creche eingeladen, die uns Fotos ihrer Hochzeit zeigte. Dies nur als Einwurf, dass es nicht die erste und einzige Familie war, bei der ich feststellen konnte, dass die Menschen stolz sind auf die im Leben als Wendepunkt beschriebene Ereignisse. Und auch immer gerne andere daran teilhaben lassen.

Fazit zu diesem Eintrag? Schwierig, denn ich möchte "Deutschland" nicht verurteilen, dass Stolz (egal in welchem Bezug) nicht offen gezeigt wird.
Aber dies sind Beispiele, die zeigen, dass Brasilien und Deutschland in vielen Ansichten und Handlungen sehr verschieden sind und in keinem Sinne vergleichbar.

Donnerstag, 24. November 2011

Cachorro Quente

Bei Cachorro Quente handelt es sich um einen Hot Dog auf brasilianische Art.
Hier eine kleine "Bildergeschichte", wie man dieses wirklich köstliche Fastfood zubereitet.
1. Hier sieht man die überdimensional großen Brötchen für den Hot Dog auf brasilianische Art












2. Ketchup wird auf die Brötchen gegeben


3. Danach wird eine gelbe Soße auf die Brötchen geschmiert. Ich glaube es ist Senf oder zumindest etwas ähnliches!

4. Auf jedes Brötchen werden zwei Würstchen gegeben, sowie eine Tomatensoße mit Zwiebeln

5. Als weitere Zutaten werden Mais und Knusperkartoffelchips (ich weiß nicht, wie ich die leckeren Raspel aus Kartoffeln sonst nennen soll) auf die Brötchen gestreut

6. Als letztes kommt noch eine ordentliche Portion Salat auf jeden Cachorro Quente. Jetzt noch ab auf den Grill, von beiden Seiten etwas rösten und...

... genieeeeeßen :)
Die Meistern Dinalise bei der Arbeit.

Die Angebotsliste. Hier fehlen jedoch die ebenso leckeren Hamburger und Trufa. Bei Trufa handelt es sich um eine Schokoladenpraline mit einer super leckeren Cremefüllung. Die reinste Kalorienbombe schätze ich, aber super lecker :)


Über das Essen hier in Brasilien werde ich noch einen eigenen Blogeintrag verfassen, leider habe ich noch nicht die Zeit gefunden. Außerdem reicht reine Beschreibung bei einigen Dingen nicht, da muss ich unbedingt Fotos von machen!

Dienstag, 15. November 2011

Wenn es regnet....

...fühle ich mich fast wie in Deutschland. Mit dem kleinen Unterschied, dass es mit Pullover und langer Hose fast noch zu warm ist.
Die letzten Tage hat es fast ausschließlich geregnet mit einigen Außnahmen, was wirklich ärgerlich war, da wir Besuch aus Pomerode (der Ort in Santa Katharina, in dem wir im Oktober waren) hatten. Die beiden anderen MaZlerinnen sind für ein verlängertes Wochenende hier. Alle Pläne und Ausflüge, die wir geplant haben sind regelrecht ins Wasser gefallen.
Wenn es in Brasilien regnet kündigt sich das durch eine immer dunkler werdende Wolkendecke an, die immer tiefer zu kommen scheint. Danach frischt es dann erheblich auf, die Blätter rascheln und die Fensterläden klappern. Und wenn das passiert hat man noch 5-15 Minuten Zeit sich in Sicherheit zu bringen, bevor aus den schönen Wetterleuchten am Horizont (die wirklich aussehen, wie im Film. Nur, dass sie nicht künstlich hergestellt werden müssen) Blitze mit vorhergehendem Donner werden.

Bei starken Gewittern hat man hier tatsächlich das Gefühl, dass die Welt untergeht. Es tut mir leid, wenn ich das sagen muss, aber dagegen ist jedes Gewitter, was ich in Arnsberg und Umgebung mitbekommen habe eine leichtes Hüsteln der Natur. Doch hier ist es echte Naturgewalt. Der Wind fegt einem um die Ohren, der Regen durchnässt einen innerhalb von Minuten bis auf die Haut (wenn man so schlau ist und bei dem Wetter raus geht) und der Donner macht einen Glauben, dass irgendwelche Berge einstürzen. Dazu graviert sich immer wieder ein Blitz in den fast schwarzen Himmel ein.
Es ist wunderschön und faszinierend, denn es fühlt sich gefährlich und mächtig an.
Das erste Gewitter hier in Leme habe ich leider verschlafen und habe als Strafe am nächsten Morgen eine riesige Pfütze im Zimmer gehabt sowie gewellte Bücher. Jetzt bin ich schlauer und schließe die Fensterläden zusätzlich zu den Fenstern.

Natürlich ist Regen nichts, was man gut findet. Zumindest in Deutschland. Hier freuen sich zumindest Bauern für ihre Felder und Kinder für ihre Picinas (Schwimmbecken) hinter dem Haus. Für viele Menschen ist Regen jedoch genau wie in Deutschland einfach ungemütlich, vor allem, wenn der Wind durch jede Ritze pfeift und man undichte Stellen im Dach hat.
Hier fange ich jetzt an, egoistisch zu werden, aber ich muss sagen, dass mir das Wetter relativ gut gefallen hat. Zumindest für ein paar Tage mal, jetzt darf auch ruhig mal wieder der Hahn zugedreht werden. Das Wetter hat mich an zu Hause erinnert. Da würde ich Tee trinken, einen Film gucken, mich mit Freunden treffen, ins Kino gehen oder sonst was Gemütliches machen. Hier ist es meist zu warm, um es gemütlich und eingekuschelt haben zu wollen, aber in den Regentagen saß ich richtig gern im Zimmer, habe Musik gehört und einfach entspannt.
Als ich heute beim Supermarkt war habe ich auf dem Rückweg auch noch SCHNECKEN entdeckt. Richtig mit Haus und schleimig, wie man sie kennt. Da ist die Illusion von "Deutschland" doch fast perfekt, oder?

Sonne ist toll, das Klima hier ist herrlich, aber man merkt doch auch, was man an dem achso verfluchten Wetter in Deutschland hat.
Ich freue mich weiterhin auf ein paar sonnige, regnerische, heiße, kühle und auf jeden Fall spannende Monate!

Donnerstag, 10. November 2011

Projekt Weihnachtslieder

Es ist November, es ist kurz vor Weihnachten (relativ gesehen "kurz" davor) und von Weihnachtsstimmung kann in meinem Fall nicht die Rede sein.
Draußen sind es täglich über 24° Celsius, man kann bereits Morgens früh in kurzer Hose und Top rumlaufen, die Sonne steht um kurz vor eins im Zenit, sodass man direkt auf seinem Schatten drauf steht, Abends kühlt es auch nur bedingt ab und man ist froh, wenn es eine Nacht mal regnet, denn so kühlt sich die Temperatur zumindest kurzfristig etwas ab und die Luft ist nicht mehr so drückend.
Wenn man diese Umstände mit den Temperaturen und der allgemeinen Wetterlage in Deutschland zu dieser Jahreszeit vergleicht ist es verständlich, dass sich kein Weihnachtsgefühl einstellt.
Gestern habe ich angefangen mit ein paar Kindern aus der Creche, den Ala-Kindern (die schon zur Schule gehen) ein Weihnachtslied einzustudieren auf der Blockflöte.
Wir drei MaZlerinnen haben dafür vorher ziemlich ewig nach Liedern gesucht, die wir in Deutschland kennen und die auch in Brasilien gesungen werden. Das war nicht einfach, denn Schneeflöckchen Weißröckchen und Nikolauslieder fallen bereits im Vorhinen weg.
Wir haben jetzt das Lied "Noite Feliz"- Stille Nacht, Heilige Nacht, Jingle Bells und Adeste Fideles.
Mit den Ala- Kindern habe ich gestern angefangen "Noite Feliz" zu üben.
Ich muss sagen, dass das alles andere als einfach ist. Nicht nur, dass wir nur knapp 6 Wochen Zeit haben, die Kinder können auch leider keine Noten lesen und müssen alles auswendig lernen.
Ich habe jetzt Morgens eine Gruppe von 4 Kindern und Nachmittags eine mit 3 Kindern.
Als wir gestern begonnen haben dachte ich, dass das NIEMALS was werden würde.
Aber nach 1 Stunde haben wir bereits die erste Zeile des Liedes gelernt. Es war auf jeden Fall eine Zerreißprobe, ich konnte unter Beweise stellen, dass ich seehr geduldig bin, die Kinder waren hinterher stolz auf sich und ich freue mich schon auf die nächsten Stunden.
Heute Morgen war es ähnlich kompliziert, denn 2 Kinder lernen richtig schnell, die beiden Anderen haben Probleme und müssen alles 10 mal flöten.
Aber ich bin zuversichtlich, dass alles klappen wird und wir bis zum 13. Dezember zumindest ein Lied mit Flötenbegleitung einstudiert haben werden und vielleicht noch ein anderes Lied zum Mitsingen.
Es ist auf jeden Fall schön ein Projekt zu haben!
Und vielleicht komme ich dadurch dann doch noch in Weihnachtsstimmung.
Sonst werde ich noch Kekse backen, "Tatsächlich Liebe" gucken und heißen Tee trinken :)

Montag, 31. Oktober 2011

Oh Schreck, oh Schreck....

Das Intenet ist weg!
Tatsächlich ist es Samstag im Laufe der Nacht passiert, dass das Gewitter dafür gesorgt hat, dass der Konvent Sonntag Morgen ohne Intrernet war. Im ersten Moment wurden wir beruhigt, dass das bei einem solchen Unwetter (von dem ich mal wieder nichts mitbekommen habe. Ist tiefer Schalf ein Segen?) normal sei, dass das Internet eine Weile weg sei.
Im Laufe des Tages wurde es leider nicht besser.
Man sagt so leicht, dass man ohne Internet kann, dass es nicht schlimm ist, wenn es mal ausfällt, dass man sowieso weniger dran sitzen wollte, dass man ja nicht hier ist, um erreichbar zu sein. Doch kommt man dann wirklich in den Genuss eines internetfreien Sonntags (das muss ich an dieser Stelle besonders betonen, denn dieser Tag ist der einzige Tag der Woche, in dem wir nichts zu tun haben und dementsprechend alle ein paar Skype-Termine- Skype läuft über das Internet- hatten). Anfangs war es einfach frustrierend. Wirklich richtig frustrierend.
Morgens waren wir Gott sei Dank noch abgelenkt, da wir kochen mussten für alle Schwestern (Das Essen war wirklich sehr lecker, bis auf der Reis, obwohl ich nicht weiß, was daran schlecht war. Wir hatten nur unser Zeitmanagement etwas überschätzt, sodass wir in den letzten Minuten noch ziemlich ins Schwitzen kamen und die Küche, die wirklich aussah, als sei... ich weiß auch nicht, es war das reinste Chaos: Töpfe, Schüsseln, Müll. Und alles nicht zu knapp lagen auf dem Tisch, der Arbeitsplatte, auf dem Boden... Wollen wir das nicht weiter ausführen, die Klammer wird sowieso schon viel zu lang... erst hinterher aufräumen konnten mit Hilfe 2 Schwestern. ). Nach dem Kochstress war es jedoch dafür umso frustrierender.
Im Endeffekt habe ich die schlechte Laune abgeschüttelt und habe etwas getan, was ich sonst bestimmt noch eine Weile aufgeschoben hätte. Ich habe Briefe geschrieben, mein Tagebuch weiter geführt und den freien Nachmittag im Endeffekt genossen.
Das mit dem Internet ist schon eine verzwickte Sache. Ich denke, dass Menschen als Rudeltiere, die sich immer mitteilen wollen und auch gern mal neugierig sind einfach diese Quelle Internet "brauchen". Das klingt auf der einen Seite wirklich traurig, denn viele denken, dass die reale Welt durch das Internet ausgeschlossen wird und die Sozialisation und Gesellschaft an sich verloren gehen. Aber ich möchte keine Diskussion vom Zaun brechen. Ich weiß, dass es sehr viele negative und zu kritisierend lohnende Aspekte des Internets gibt, aber muss ich auch sagen, dass es praktische Wege eröffnet, Heimweh um eeeiniges verringert und einen sich nicht einsam fühlen lässt.
Für mich bedeutet Internet nicht, dass man stundenlang "surft" und sucht, schaut und klickt, aber im Endeffekt genauso viel heiße Luft im Kopf hat wie vorher, wenn nicht sogar mehr. Für mich ist das Internet, das Mails schreiben, das Blog-Verfassen ein Weg meine Erlebnisse hier sehr schnell zu verarbeiten und mich wirklich nie einsam zu fühlen. Ich halte gerne Kontakt zu meinen Lieben, auch wenn viele kritisieren werden, dass das nicht der Grund ist, dass ich ins Ausland gegangen bin, denn ich wolle doch selbstständiger werden. Dem kann ich nichts entgegensetzen. Doch ich würde jetzt einfach behaupten, dass das jeder für sich entscheiden muss, denn einige mag es stark machen, sich abzukapseln und "ihr Ding durchzuziehen", doch ich weiß, dass ich daran zerbrechen würde keinen Kontakt halten zu können und nur selten zu erfahren, was zu hause geschieht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zur Internet- Generation gehöre oder ich einfach ein sehr heimatverbundener Mensch bin, obwohl ich niemals gedacht hätte, dass ich das bin. Aber das zeigt mir die Zeit hier. Ich bin nicht für die weite große Welt ohne meine Familie und meine Heimat. Ich bin für die Familie und Heimat. Ich genieße nun weiterhin die Zeit, freue mich auf zuhause und bis dahin hoffe ich, dass ich weiterhin eine ausgeglichene Lösung für den Internetkonsum finde. Den Rest übernimmt das nächste Gewitter für mich!

Freitag, 28. Oktober 2011

Ver-missen

Das Wort "vermissen", nachgeschlagen im Online-Duden

Rechtschreibung

Worttrennung:
ver|mis|sen
Beispiele:
als vermisst gemeldet; die vermissten (fehlenden) Dokumente; jegliches Taktgefühl vermissen lassen oder vermissenlassen

Synonyme zu vermissen


mittelhochdeutsch vermissen, althochdeutsch farmissen

Grammatik

schwaches Verb; Perfektbildung mit »hat«
Das ist die Definition, die ich über dieses Wort gefunden habe. Es ist ein Zitat der Internetseite: http://www.duden.de/rechtschreibung/vermissen
Ich muss gestehen, seit ich aus Pomerode wieder da bin geht es mir um einiges besser als vorher. Ich habe lange nicht mehr so viel Heimweh, die Arbeit macht mir immer mehr Spaß, was auch daran liegen kann, dass wir seit einer Woche einen "Stundenplan" haben und ich nicht mehr nur im Bercario bei den ganz Kleinen bin (obwohl auf dem Stundenplan Bercario nicht mehr drauf steht und ich die Kleinen echt ver-misse) sondern auch bei größeren Kindern. 
Ich kenne meine Arbeitszeiten, ich weiß, wann ich was im Haus zu tun habe, was ich darf und was man vielleicht vermeiden sollte (zum Beispiel Abends um 10 noch Nägel in die Wand hämmern, weil der Nagel, an dem das Moskitonetz samt Jesus-Kreuz als Halter ständig herunter fällt. Ich spreche hierbei nicht von mir, meine Mit-MaZlerinnen werden mir dieses Beispiel hoffentlich verzeihen), mit welchen Schwestern man worüber reden kann, damit sie glücklich sind (Verzeiht mir die Klammern, einen Abend saßen ich und Maria in der Küche und da hat uns eine Schwestern ganz spontan Fotos ihrer Arbeit gezeigt; sie ist dabei ganz sentimental gewesen und hatte hinterher einen ganz dünne Stimme, aber für mich war es ein superschönes Geschenk, dass sie mit uns diese Erinnerungen geteilt hat. Ich bin ihr sehr dankbar dafür). 
Ich habe mich ein-gelebt und fühle mich wohl. Ich habe vorher zu Hause immer sehr ver-misst, jetzt wird mir plötzlich bewusst, was ich hier ver-missen werde, wenn ich erst einmal wieder in Deutschland bin. Mir ist bewusst geworden, dass ich hier nur 6 Monate meines Lebens verbringe, dass ich danach wieder in Deutschland bin, hier das Leben normal weiter läuft und ich auch in Arnsberg wieder zu meinem Rhythmus gelangen werde. 
Ehrlich gesagt hat mich diese Erkenntnis, die ich da gemacht habe erschrocken, doch hat sie mir auch gezeigt, dass ich angekommen bin. Ich bin mir bewusst geworden, dass ich hier lebe und mich auf die Eindrücke und Ereignisse einlasse. 
Ich habe ein wenig Angst davor, dass ich später, wenn ich wieder in Deutschland bin alles ver-misse, doch weiß ich auch, dass es sich nicht vermeiden lässt.
Vermissen bedeutet, dass man mit Schmerzen feststellt, dass etwas nicht mehr da ist. Vermisse bedeutet, dass man traurig ist, weil etwas fehlt. Aber vermissen bedeutet auch, dass man etwas gefunden hat, für das man Gefühle entwickelt hat, Zuneigung, Liebe, Leidenschaft. 
Ich bin auf dem allerbesten Weg all diese Gefühle gegenüber Brasilien und meiner Arbeit aufzubringen. 
Und später, wenn ich im eisigen Deutschland sitze dieses spannende, so andere Land zu vermissen

Sonntag, 23. Oktober 2011

Die Erfahrungen meiner Ohren

Brasilien ist laut. Diese Erfahrung haben meine Ohren bzw. mein Ohr schon oft gemacht. Dazu einige Anekdoten. . .
Da es, soviel ich weiß keinen TÜV oder ähnliches gibt sind die Autos teilweise wirklich richtig laut. Außerdem gibt es ganz viele Autos, auf denen Boxen auf dem Dach angebracht sind, die den ganzen Tag Melodieen dudeln. Ich habe aber jetzt erfahren, dass diese "Musik-Autos" nicht der Bespaßung aller Menschen im Umkreis von 2 km dienen sondern auf sich aufmerksam machen wollen, weil es sich um fahrende Händler handelt, die Gas, Wasser oder Brot verkaufen. Aha! Ist das auch geklärt.
Aber nicht nur die Autos sind laut. Hier im Centro gibt es das nicht so, doch am Stadtrand, wenn wir Familien besuchen ist entweder der Fernseher stark aufgedreht, das Radio (selbst wenn es schrebbelt und man nichts verstehen kann-E G A L) auf "Volle Pulle" und die Unterhaltungen zwischen den Personen laufen auch meist in einer Lautstärke ab, als wenn alle diese Ohrenschützer aufhätten, die Bauarbeiter bei Schleiferarbeiten und Presslufthammereinsatz tragen. Da stehen sich zwei Frauen gegenüber, die eine ruft: Hey, sag Vitoria mal Bescheid, die soll rein kommen. Noch lauter ruft jetzt die andere Frau nach draußen: Vitoria? Du sollst mal eben kommen. Und Vitoria schreit zurück: Ja ich komme sofort, ich muss noch mal eben was machen! Dann ruft die Überbringerin einen klitzekleinen Tick leise: Du, Vitoria kommt gleich, die muss noch was machen. . .  Statt, dass die erste Frau direkt nach draußen ruft oder mal eben jemand zu besagter Person hingeht wird sich einfach angeschrieen. Und das fängt bei den Kindern schon an. Die haben ein Organ. Also die Grundlautstärke hier in Brasilien liegt schon einige Dezibel (damit wird doch die Lautstärke gemessen?) höher, wie ich das mitbekommen habe.
Aber die Leute sind nicht empfindlich. Gestern wurden in der Creche neue Fliesen gelegt und der Bauarbeiter, der alles zurecht geschnitten hat hat keine Ohrschützer getragen. Der hat einfach so die Fliesen geschnitten und das laute Kreischen und Quitschen ignoriert. Mir haben sich 3 Meter weiter schon alle Nackenhaare aufgestellt und ich hätte mich nicht weiter heran getraut.
Auch Abends, bei Festen oder am Wochenende scheint es kein Problem zu sein die gesamte Nachbarschaft mit Musik zu beschallen. Wenn nur ein Nachbar so denken würde, würde ich verstehen, dass man Strom sparen kann, ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt... Aber wenn alle Nachbarn Musik anhaben, den Fernseher laufen haben und dann noch über den Lärm hinweg reden finde ich leider keinen Sinn mehr.
Aber dennoch gefällt mir die dabei entstehende Atmosphäre. Wenn man die Stimme beim Reden anhebt, lauter spricht stärkt dies das Selbstbewusstsein. Man nimmt sich wahr, andere nehmen einen auch stärker wahr. Schüchternheit wird hier nicht, wie in Deutschland gelernt sondern durch den Einsatz des lauten Stimmorgans vermieden (Natürlich nicht komplett, es gibt auch hier sehr viele schüchterne Leute. Außerdem ist das nur meine Theorie, nichts Bewiesenes).
Ich lass de Brasilianer Brasilianer sein und höre fasziniert der Geräuschkulisse zu, doch bin ich auch froh, wenn ich wieder hier im stillen Konvent bin, ein paar Vögel zwitschern höre (die Morgens früh um sechs übrigens auch richtig laut sind. Hierbei weiß ich jedoch nicht, ob ich das Zwitschern so stark wahrnehme, weil es lauter ist oder weil die Fenster nicht fest verschlossen sind; das lass dahin gestellt sein) und meinen Ohren eine Pause gönnen kann.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Das Leben im Kloster

Diese Überschrift mag manch einen verwundern, doch dachte ich mir heute, dass es an der Zeit ist etwas genauer auf mein "klösterliches" Leben einzugehen.
Wie bereits in einem viel viel früheren Blogeintrag gezeigt habe ich hier im Konvent der Schwestern der Maria Magdalena Postel ein ´realtiv großes Zimmer im zweiten Stock, in dem ein Waschbecken, 2 Betten, ein Schreibtisch und 2 Schränke stehen. Ich wohne wirklich im Luxus könnte man sagen.
Ich gehe ein paar Mal die Woche um halb sieben in die Messe (je nach Motivation) und von da aus gibt es direkt Frühstück in dem großen Speisesaal. Ja, Saal hört sich wirklich etwas pompös an; sagen wir lieber Speiseraum.
Nach dem Frühstück wird immer gemeinschaftlich abgetrocknet und der Tisch für´s Mittagessen gedeckt.
Um acht Uhr morgens beginnt für uns immer die Arbeit: entweder in der Creche, am Stadtrand oder im Fitnessstudio.
Wenn wir um ca. 11 Uhr spätestens wieder im Konvent sind helfen wir der Köchin (ja es gibt eine Köchin. Die ist total lieb, kocht ganz toll und macht die besten "Cachorro Quentes"- Hot Dogs) beim Abtrocknen (ich bin fast Weltmeisterin könnte man sagen) und Salat schnippeln.
Auch das Mittagessen um 12 nehmen wir zusammen mit den Schwestern zu uns. Das ist eigentlich immer ganz witzig, denn man kommt gerne mit den Schwestern ins Gespräch; darüber, wo sie herkommen, wann sie Nonne geworden sind und was sie arbeiten.
Die Mittagspause nutze ich meistens zum E-Mails lesen, beantworten- oder auch erstmal nicht, im Garten sitzen oder in die Stadt gehen und Flip-Flops kaufen. Okay, Flip-Flops habe ich mir erst einmal geholt. Egal, ich will ja nicht abschweifen.
Die Arbeit am Nachmittag beschränkt sich sozusagen auf 2x Stadtrand die Woche und sonst Creche, wobei beides nicht länger als von 14.00/15.00 Uhr bis 17.00 Uhr geht.
Beim gemeinsamen Abendessen, was um 18.00 Uhr bereits ist bin ich nicht immer da, denn meist bekomme ich erst später Hunger.

Das war ein ganz normaler Tagesablauf.
Ich muss sagen, dass ich anfangs etwas misstrauisch war hier im Konvent mit Schwestern unter einem Dach zu leben, doch mittlerweile muss ich sagen, dass ich Gefallen daran gefunden habe. Ich werde keine Nonne, da gibt es zu viele Dinge und Menschen, die mich davon abhalten, doch ich wohne gerne hier. Nachmittags durch das Haus zu laufen, die Schwestern und ihre Eigenarten und Aufgaben im Haushalt kennenzulernen und zu beobachten macht einfach nur Spaß und mir sind die Lieben wirklich schon ans Herz gewachsen. Eine Schwestern steht fast den ganzen Tag in der Lavanderia und wäscht, eine andere unterrichtet die Kinder der Schule im Malen (nicht ganz nach Zahlen, aber mehr als Ausmalen ist es nicht. Trotzdem macht es Spaß dies zu beobachten und ich hatte vorgestern die Ehre selbst ein Gemälde auf Stoff zu zaubern. Das schöne daran war, dass die Schwester sich total gefreut hat, dass ich mich dahin gesetzt habe, um zu malen), wieder eine andere kümmert sich IMMER um den Hausputz, der übrigens jeden Samstag ohne Ausnahme stattfindet.
Ich mag die Schwester, die Deutsch reden kann, die man aber weder in Deutsch noch auf Portugiesisch richtig verstehen kann. Ich mag unsere "Aufpasserin", die für uns verantwortlich ist und sich um uns kümmert. Ich mag sogar die Schwester, die anfangs nur grimmig war und uns jetzt mit einem groben Kniff in die Seite und einem ruppigen Schubs auf dem Flur begegnet. Insgesamt wohnen hier 9 Schwestern, oft ist Besuch da von anderen Schwestern, die dann länger oder kürzer mal bleiben.
Ich weiß auch jetzt schon, dass der Abschied schwer fallen wird, aber ich denke, dass die Erkenntnis nur gut ist, denn so weiß ich, dass ich mich wirklich wohl hier fühle.
Mein Leben im Kloster ist natürlich nicht so schrecklich und streng, wie man es sich vorstellt. Es ist anders als zu Hause, aber es ist nichts schlechtes. Ich bin zufrieden, was will ich denn mehr.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Meine erste Reise

... werde ich hier in einer kleinen Bildergeschichte präsentieren. Ursprünglich hatte ich den Plan ein Videotagebuch hier einzusetzen, doch leider dauert das Laden ewig und im Endeffekt habe ich aufgegeben. Aber vielleicht versuche ich die nächsten Tage noch einmal wenigstens ein Video einzustellen.
Viel Spaß mit meiner "Bilderbuch"-  Geschichte:

 Unsere Reise begann am 5.10.2011 um 15:30 Uhr in Leme am Busbahnhof. Ausgestattet mit Rucksäcken, Verpflegung für eine 3tägigen Wanderung durch den tiefsten Djungel und unseren Reisepässen konnte unserer ersten Reise nichts mehr im Weg stehen. Dadurch, dass es hier in Brasilien ein sehr mieses Bahnnetz gibt sind Busse die Nah- und Fernverkehrsmittel schlechthin. 
Wir sind also pünktlich um 15:30 Uhr losgefahren und eigentlich sollte der Bus um 18:20 Uhr in Sao Paulo ankommen. Da unser Verbindungsbus erst um 19:45 Uhr in Sao Paulo abfahren sollten dachten wir, dass wir noch genug Zeit haben würden in Ruhe das hinterlegte und bereits bezahlte Ticket abzuholen und uns ein wenig im Bahnhof umzuschauen. . . 
Die Busse hier in Brasilien sind wirklich um ein hundertfaches bequemer als jeder Reisebus, mit dem ich in Deutschland je gefahren bin. Auf der Fahrt nach Sao Paulo, die 3 Stunden betragen sollte lief noch Spider Man, so dass die ersten 2 Stunden wie im Fluge vergingen... 
... doch dann passierte etwas, was wir niemals hätten vorher sagen können, was für andere Brasilien-und vor allem Sao Paulo Kenner selbstverständlich mit eingeplant hätte werden müssen: STAU in ganz Sao Paulo. Während die Zeit davon rannte, der Bus nur alle paar Minuten zwei Zentimeter nach vorne rollte und wir immer nervöser wurden machten die Mitreisenden immer wieder Vorhersagen, wie lange es noch dauern könnte. "Ach den Bus um viertel vor acht? Den kommt ihr locker... in 10 Minuten sind wir da." - 20 Minuten später "Es ist ja noch etwas Zeit, aber jetzt kann es wirklich nicht mehr länger als vielleicht noch 20 Minuten dauern"- 15 Minuten später "Was habt ihr noch gesagt, wann fährt der Bus? Viertel vor acht? Das schafft ihr nie im Leben, da hättet ihr doch einen früheren Bus nehmen sollen." 
Hätten wir das mal gewusst. 
Ein sehr netter Herr, mit dem wir uns vorher noch über Sao Paulo, das wunderschön vielfältige Brasilien und das köstliche Essen in diesem wunderbaren Land unterhalten hatten bekam natürlich mit, dass wir immer nervöser wurden, denn die bezahlten Tickets bekamen wir sicher nicht zurück. Er bot uns, als wir den Bahnhof endlich erreichten an, mit zu kommen und uns zu helfen die Tickets umzubuchen und uns zu zeigen, wo wir genau abfahren würden, denn für unseren ursprünglichen Bus war es um kurz vor Acht längst zu spät. Wir also zu dem Schalter und mit unseren Brasilianischkenntnissen und der Hilfe des Herren und eines anderen jungen Mannes, der sogar ein paar Fetzen Deutsch konnte die Tickets umgebucht. Leider mussten wir einen Aufpreis von 45 Reais zahlen, was ziemlich ärgerlich, aber nicht zu ändern war. . .

. . . Im Endeffekt haben wir die bequemste Reise gehabt, die man sich, zumindest als Mensch, der immer nur Economy geflogen und harte deutsche Reisebusse gefahren ist vorstellen kann. Auf dem Foto erkennt man leider nicht so gut, dass die Polster super bequem waren und sich fast bis in die Waagerechte verstellen ließen. Zusätzlich war an dem Sitz des Vordermanns ein weiteres Polster an der Rückenlehne angebracht, sodass man tatsächlich fast das Gefühl hatte im Bett zu liegen. Dazu bekam jeder Reisende eine Decke, ein Kissen und ein kleines Paket mit Keksen (die kleine schwarze Schachtel auf meinem Schlafsack). Also hatten wir trotz des Aufpreises und der Tatsache, dass der Bus nur nach Blumenau fahren würde, von wo wir in einen anderen Bus in Richtung Pomerode umsteigen mussten einen kleinen Trost in Form dieses Luxusbusses. Es war toll, aber in Zukunft das Geld nicht wert. 



 Als wir am nächsten Morgen ausgeschlafen aus dem Bus stiegen mussten wir zum einen feststellen, dass das Wetter ziemlich danach aussah, als würde es jeden Moment anfangen zu regnen, zum Anderen bekamen wir die Information, dass die Bushaltestelle nach Pomerode erst nach einem Stück Fußmarsch zu erreichen sei. Na tolle Wolle! Der Angestellte des bahnhofes versuchte wirklich uns die Position der Haltestelle zu erklären, im Endeffekt wussten wir jedoch nur, dass wir den auf dem Foto zu sehenden Tramelpfad hoch mussten (welcher mir übrigens zum Verhängnis wurde; dazu später mehr) und dann iiirgendwo abbiegen sollten... Das Problem ist auch, dass an den Bushaltestellen, nicht wie in Deutschland alle Haltestellen, Abfahrtszeiten und Notfalltelefonnummern an der Haltestelle stehen: Hier gibt es ein Dach mit einer Bank darunter. Dort kann man sich hinsetzen und einfach darauf warten, dass der nächste Bus kommt. Wir haben uns dann durchgefragt und eine sehr nette junge Frau hat sogar für uns die Fahrt mit dem Stadtbus bezahlt, in dem wir irgendwann gelandet sind. Der hat uns zu einer Zentralen Station gebracht, die jedoch nicht zentral genug war, als dass der Bus nach Pomerode dort anhalten würde. Nachdem wir von dort nochmal dein Stück gelaufen waren kamen wir endlich an einem Dach mit Bank darunter an, auf der eine Frau saß, die uns versichern konnte, dass ein Bus nach Pomerode hier vorbei fahren würde, wir jedoch winken sollten, damit dieser überhaupt hält. . . 
Wir sind dann auch kurz vor dem Mittagessen in Pomerode angekommen und von den dort wohnenden MaZlerinnen abgeholt. Nossa Senhora! Was eine Reise. 

 Hier ist das passende Foto zu dem verhängnisvollen Hügel. Leute, die mich kennen werden sagen, dass das nur mir passieren konnte. Vielleicht ist dem so, fies gebrannt hat es trotzdem. 
Nachdem wir mit unserem schweren Gepäck also losgezogen waren, um den Hügel zu erklimmen und die richtige Haltestelle zu finden rutschte ich auf besagtem Hügel aus und schlug mir mein Schienenbein und mein Knie auf. Da ich leider eine Strumphose trug konnte ich nicht nachsehen, was passiert war. Ich spürte nur, dass der dunkle Fleck am Schienenbein immer größer wurde und es wirklich weh tat. In Pomerode angekommen habe ich mich erst ziemlich erschrocken, als mein ganzes Bein rot verschmiert war. Nachdem ich die Wunder gesäubert hatte konnte ich Gott sei Dank feststellen, dass es "nur" eine kleine Wunde am Bein ist.
Spätestens an meiner standesamtlichen Hochzeit, wenn ich ein knielanges Kleid tragen möchte und das nicht kann, weil eine hässliche weiße Narbe an meinem Bein zu sehen ist werde ich diesen Tag verfluchen. 
Nein, Kleiner Spaß am Rande.
Eine Narbe wird es bestimmt geben, aber dann werde ich immer an meine Zeit an Brasilien denken. Solange es die einzige Narbe ist, die ich von diesem Aufenthalt davon trage nehme ich es gelassen. Abends hat die Wunde auch endlich aufgehört zu nässen. Aber noch weiter in Details einsteigen möchte ich nicht. 


 Pomerode ist eine kleine Stadt ca. 32 km von Blumenau entfernt. Ganz anders als in Sao Paulo sind hier keine Felder und weiten Ebenen zu finden sondern hohe Berge, in denen sich die Wolken zu verfangen scheinen, dicht bewachsen und schützend um den Staat gelegt, könnte man sagen. Mir erschien es teilweise eher einengend, denn in Leme kann man an guten Tagen kilometerweit gucken. 
Auch das Klima ist ganz anders als in Deutschland. Ich hatte den gesamten Aufenhalt das Gefühl, dass meine Klamotten klamm seien und auch meine Haut nie richtig trocken sei. 




 Dieses Foto wurde direkt an der Creche aufgenommen. Die Creche und die Schule hier sind viel neuer als in Leme. Das Gelände ist um einiges größer und die Kinder haben viel mehr Möglichkeiten zu spielen. Doch trotzdem habe ich direkt am ersten Tag festgestellt, dass ich mit Leme genau die richtige Entscheidung getroffen habe.
Hier in Pomerode sieht man keine Armut. Die Häuser sind nicht verrammelt, die Grundstücke liegen einfach offen da. 

Außerdem bin ich ein Fan von dunklen Augen, dunkler Haut und Kraushaaren. Hier im Süden haben die Kinder und auch Erwachsenen überraschend oft blonde Haare und blaue oder grüne Augen. 

 Das abgebildete Haus ist das bekannteste Wahrzeichen Pomerodes. Reisende, die das Städtchen in den grünen Bergen suchen wissen, dass sie angekommen sind, sobald sie dieses Tor erreichen. In der gesamten Stadt ist Kopfsteinpflaster zu finden und überall stehen noch alte Fachwerkhäuser. 


 In diesem Torhaus kann man für Deutschland "typische" Dinge, wie Schützenfesthüte, Holzspielzeug und Bierkrüge kaufen.
 Bei diesem Gebäude handelt es sich um das Restaurante "Schorstein". An den Fahnen sieht man auch hier wieder, wie deutsch alles gehalten werden soll. Ob dies immer so ist oder nur daran liegt, dass zur Zeit unseres Aufenhaltes Oktoberfest ist kann ich nicht sagen, doch mich hat es überrascht, dass die Farben Schwar, Rot und Gold so oft zu finden waren. 
 Über Blumenau steht im Reiseführer oft, dass das Städtchen durch die vielen Fachwerkhäuser ein für Touristen interessantes Ziel sei, doch ich muss sagen, dass ich fast enttäuscht war. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mit unsere Altstadt im Sauerland ziemlich verwöhnt bin. Wir hatten trotzdem einen schönen Vormittag in Blumenau, haben Andenken gekauft (ich habe mir einen Metallbecher und ein passendes Band zum Umhängen gekauft. Super praktisch, denn so hat man auf jeder Party seinen eigenen Becher und muss diesen nichtmal die ganze Zeit in der Hand halten) und in einem riesigen Kaufhaus zu Mittag gegessen. Eigentlich wollte ich zu MC Donal´s, habe mich dann aber für eine brasilianische Fast Food Kette entschieden.

Das hier abgebildete Gebäude ist das schönste, was ich in Blumenau finden konnte. Es hat mich ein wenig an Zu Hause erinnert.

Zu diesen Tieren gibt es keine besondere Geschichte. Ich dachte es seien vielleicht "die Ratten Brasiliens", aber ich wurde darüber aufgeklärt, dass dem nicht so sei.
Ich denke, der Grund weshalb ich dieses Foto mit in meine Geschichte aufgenommen habe ist der, dass ich diese Tiere nur aus dem Zoo kenne und nicht irgendwo frei herumlaufend.
Ich habe mich in Santa Catharina nicht so gefühlt als sei ich in Brasilien: die Hügel, die weiten Wälder und der stets bewölkte Himmel. Das war für mich nicht das Gesicht Brasiliens, das man sich vorstellt, wenn man an dieses Land denkt. Strand, Palmen und ewiger Sommer sind eher die Bilder, die einem einfallen, wenn man versucht, Brasilien zu beschreiben. Als ich in Blumenau diese Tiere am Wasser gesehen habe, in dieser Stadt, die so wenig mit dem Brasilien zu tun hat, das ich mir ausgemalt habe, wurde mir wieder etwas bewusster, dass ich nicht in Deutschland bin und auch nicht in Europa.
 
Oktoberfest in Blumenau
Nachdem ich mich tagsüber mit einem Becher ausgerüstet hatte konnte es Abends direkt los gehen zum Oktoberfest. Nach dem Münchener Oktoberfest ist dies das bekannteste bestehende Oktoberfest auf der Welt. Verrückt, wenn man bedenkt, wie weit entfernt Deutschland von hier ist. Aber die Auswanderer, die vor ca. 200 Jahren von Deutschland hier hin zogen brachten die "guten alten Tugenden" direkt mit hier hin. So besteht auch heute noch das Oktoberfest hier und wird von Jahr zu Jahr populärer und größer. Das Gelände, auf dem das Fest stattfindet ist wie eine kleine Stadt in der Stadt Blumenau. Hier wurden extra Häuser gebaut, die der Bauart des Fachwerkhauses entsprechen und man fühlt sich tatsächlich wie zuhause. Es gibt 3 große Festhallen, die jeweils verschieden geschmückt sind. Und natürlich jede Menge Bier(kein Deutsches und ich bin keine Kennerin, aber man konnte es gut trinken. Vor allem aus meinem Metallbecher hat das super geschmeckt). Brezln und Weißwurst haben wir leider nicht finden können. 
Viele der Menchen liefen in "Trachten" herum, wobei es sich bei den meisten Hosen nicht um Lederhosen handelte und auch die Dirndl sahen nicht halb so schön aus, wie in Deutschland. Aber so sollte das ja auch nicht sein denke ich. 
Wir hatten auf jeden Fall einen schönen Abend. Ich glaube auch, dass wir die einzigen waren, die die ganzen Lieder kannten, denn es lief fast ausschließlich deutsche Musik. Der Text beim "Fliegerlied" war zwar leicht abgewandelt in ".. Weil ich dich mog und ich sog: heut ist so ein schöner Tog", wobei man sich jetzt natürlich frogt, was das für Worte sind. Außer uns ist aber bestimmt keinem aufgefallen, dass die Worte mog,sog und Tog keinen Sinn machen. E G A L ! Wie gesagt, andere Kultur, andere Lieder :) 

Hier noch einmal die Landschaft im Bundesstaat Santa Catharina.
Zu diesem Bild möchte ich kurz erzählen, dass wir den Sonntag nach dem Oktoberfest leider verschliefen und nicht mehr, wie eigentlich geplant nach Joinville fahren konnten (dabei handelt es sich um eine kleine Stadt, die ebenfalls im Reiseführer angepriesen wird, es würde sich lohnen dahin zu fahren. Brasilianer ihrerseits sehen in diesem Ort keine Reize). Stattdessen machten wir uns im Touristenzentrum schlau, wo man den "mal eben" hinspazieren könnte. Im Endeffekt landeten wir bei diesen kleinen süßen Häuschen. Dass wir insgesamt 2 1/2 Stunden unterwegs waren und es außer diesen Häusern wirklich nichts Tolles zu sehen gab war zwar etwas enttäuschend, aber so bekommt man seinen Tag auch herum. Ich für meinen Teil weiß jetzt auf jeden Fall, dass ich niemals eine Wanderin werde, denn kilometer weit durch die Walachei zu laufen ist nicht wirklich mein Ding. An alle Wanderer: Das ist keine Kritik an euch, ich persönlich könnte dem nur wahrscheinlich nichts abgewinnen, was auch an meiner Unsportlichkeit und Faulheit liegen mag. 
Wir hatten trotzdem einen netten Tag und besser als irgendwo herum zu sitzen war es allemal. . . 

. . . Hinterher, als wir alle etwas K.O. wieder in Pomerode angekommen waren gingen wir ins "Torten Paradies". Meiner Meinung handelt es sich hierbei wirklich im eine Touristenattraktion. Hier gibt es die köstlichsten Kuchen udn Torten zu kaufen. Dass ich so begeistert von diesem Café war kann vielleicht auch daran liegen, dass es sowas in Leme überhaupt nicht gibt. Damit meine ich Häuser, in denen man stundenlang Kaffee trinken kann, gemütlich sitzt, plaudert und es einfach nur genießt aus dem Haus zu sein. In Deutschland sitze ich gerne und auch gerne ständig in solchen Cafés und als wir in Pomerode waren habe ich erstmal gemerkt, wie sehr mir das wirklich fehlt. Da merkt man doch auf einmal, wie anders es hier ist. . . 

. . . garnicht anders war am nächsten Tag das Weihnachtsmann-Haus, dass wir auf dem Weg gesehen haben, als wir zu einem Brasilianer wollten, der uns zum Mittagessen eingeladen hatte. Dazu eine kleine Geschichte: Wir wollten eigentlich um halb 10 mit dem Bus zu besagtem Brasilianer fahren, merkten dann aber, dass der Bus erst um 10 Uhr kommen würde. Also dachten wir uns: Komm, das kann doch nicht so weit sein, laufen wir das kleine Stück, dann sind wir auch pünktlich da. Wir haben uns also ohne jegliche Verpflegung, nur in Flip-Flops auf den Weg gemacht. . . 2 Stunden später kamen wir dann endlich an der Bushaltestelle "Lanchoneta dos Amigos" an. Wir hatten uns wohl doch etwas verschätzt. Bis auf Blasen an den Füßen, einem dicken Sonnenband auf den Schultern (den ich bei der Rückreise besonders spürte, als mein Rucksack genau dort drauf drückte) und schweißnassen Klamotten war es ein schöner Spaziergang. Und wären wir nicht gelaufen, wäre das Foto von dem Weihnachtsmann- Haus nicht entstanden. 
Das Mittagessen war auch sehr lecker, als wir endlich mal ankamen. 
Meine erste Reise innerhalb Brasiliens hat viel mehr Überraschungen bereitgehalten, als ich es mir für einen Abenteuer- Roman je ausgemalt hätte. 
Es war auf jeden Fall lohnenswert ein anderes Gesicht Brasiliens kennen zu lernen und ich freue mich auf die Reisen, die mir hier noch bevorstehen. 
Und wie es so schön heißt "Die Reise ist das Ziel" habe auch ich gemerkt,  dass das Reisen fast wichtiger ist als das Da-Sein. 
Aber auch An-Kommen ist wichtig und ich habe dadurch, dass ich in Pomerode fast etwas Heimweh nach Leme hatte gemerkt, dass ich es trotz Heimweh und Anfangsschwierigkeiten geschafft habe hier anzukommen. 
Ich bin in Brasilien, in Leme angekommen.