Sonntag, 27. November 2011

Die Sprache

Mir ist aufgefallen, dass ich noch nichts über die Sprache hier geschrieben habe. Aber genauso fehlt hier noch ein Eintrag über das Essen allgemein (der auf jeden Fall noch folgen soll).
Über die Sprache möchte ich doch jetzt einige Gedanken los werden.
Bei mir funktioniert es mit dem Sprechen schon um einiges einfacher als am Anfang, obwohl es immer noch Verständigungsprobleme gibt (Lächeln und Ja oder Nein sagen funktioniert meistens ganz gut in solchen Situationen, doch manchmal geht das dann doch schief: Einmal wurde ich etwas gefragt, bejahte und die Tia fing herzhaft an zu lachen und wünschte mir gute Besserung. Eine andere Tia fragte mich darauf, ob ich nur Bier getrunken habe oder noch andere Dinge. Gut, es stellte sich heraus, dass die Tia gefragt hatte, ob ich sehr viel Alkohol am Wochenende getrunken habe und deshalb so ausseh... Ja ist bei so einer Frage natürlich die amüsantere Antwort...). Doch allgemein hat sich das Vokabular enorm erweitert und man filtert in Gesprächen die einzelnen Worte heraus und kann daraus einen Zusammenhang herstellen.
In diesem Artikel möchte ich etwas auf die Sprachmelodie eingehen. Anfangs klang für mich jeder Satz und jedes Wort gleich, die Betonung habe ich überhaupt nicht heraushören können und viele Worte hintereinander sprechen konnte ich auch nicht (meine Portugiesischlehrerin kann das bestätigen, sie war sehr geduldig :) ). Mittlerweile muss ich sagen, dass ich die Melodie, die die Brasilianer in ihr Gesprochenens legen liebe. Ich frage mich, ob Deutsch vielleicht für Leute, die diese Sprache lernen auch etwas melodiöses hat. Meiner Meinung nach "singen" die Brasilianer manchmal beim Sprechen. Dann wird die Stimme bis zum hohen A gehoben (C-Dur) und die Worte werden herrlich in die Länge gezogen (Beispiel: Junge im Imperial muss im UNO-Spiel 8 Karten ziehen. Kommentar dazu: Nooooooooossa, wobei das O in die Länge und in die Höhe gezogen wird. Kleine Info: "Nossa Senhora" ist eine geläufige Redewendung, sobald etwas überraschend oder extrem ist. So würde ich das beschreiben). 
Was man auch oft hört ist, dass Worte in die Länge gezogen werden, ohne, dass man die Stimme hebt (Beispiel: Iiiiso, wobei das I höher ist als das o am Ende, aber nicht viel höher als die normale Stimmlage. Kleine Info: "Isso" hat viele Bedetungen und wird in diesr Betonung meiner Meinung nach dann verwandt, wenn man nach einer Frage die richtige Sache in die Hand nimmt, macht oder versteht ).
Eine weitere Sache, die ich hier liebe ist das gerollte "R", was ich natürlich nicht nachmachen kann. Hier in Brasilien wird jedoch nicht immer gerollt sondern auch, und das war für mich neu das "R" wie im Englischen halb verschluckt. Wie ich das beschreiben soll, weiß ich leider nicht.
Andere kleine Worte, die hier verwendet werden sind das kurz gesprochene "e" (Mischung aus e und ä), um das Gesprochene des Gesprächspartners zubestätigen.
Oder ein "o" im Satz (Beispiel: O Viniiiiiiiicius; Beispiel: Aqui~o!; ).

Diesen Bericht, nur um einige Beispiele zu nennen.
Ich liebe die Sprache und hoffe, dass ich sie noch besser lernen werde!

Wenn ein Mädchen mal Prinzessin sein möchte...

... geht das hier in Brasilien am Besten, wenn sie ihren 15. Geburtstag feiert. Anders als in Deutschland ist es nämlich nicht von Bedeutung, wenn du 16 wirst und endlich feiern gehen darfst (bis um 24.00 Uhr oder 0.00 Uhr oder Mitternacht, jeder weiß, was gemeint ist) oder 18 bist und somit offiziell erwachsen (ich denke, dass ich volljährig bin, aber erwachsen noch lange nicht).
Hier wird der 15. Geburtstag gefeirt. Und wenn man es sich leisten kann so richtig!
Ich komme auf dieses Thema, weil wir gestern Abend bei der Köchin des Konvents eingeladen waren (es war ein wunderbarer Abend) und sie uns ein Fotoalbum und ein Video des Geburtstags ihrer Tochter gezeigt hat. Ich kritisiere hier keinesfalls die Feierweise oder die Tatsache, dass sehr viel Geld ausgegeben wird, wenn es möglich ist. Aber ich für meinen Teil muss sagen, dass ich mal lieber hier gewesen wäre als ich 15 geworden bin. Denn wer wollte sich nicht mal einen Tag wie eine Prinzessind fühlen? Ich denke, die Tochter hat sich auf jeden Fall wie eine gefühlt. Nicht nur, dass innerhalb von 7 Stunden die Garderobe sowie die Frisur dreimal gewechselt wurde. Es war alles super schön dekoriert, es gab Unmengen an Essen (bei diesen Informationen handelt es sich nur um von mir erschlossene Tatsachen aus dem Video des Geburtstages und des Fotoalbums), eine Leindwand war aufgebaut, viele Gäste= viele Geschenke und das Rührenste : Eine ganz stolze Mama :)
Ich weiß nicht genau, woher es kommt, dass der 15. Geburtstag hier in Brasilien so wichtig ist und ich hatte noch keine Motivation dies zu recherchieren. Es hat, zumindest beim Mädchen mit der Fruchtbarkeit zu tun, die mit dem 15. Lebensjahr eh.. offiziell wird? Wie auch immer.
Auf jeden Fall werden Feste in solch einem Ausmaß nicht gefeiert außer es handelt sich um die Hochzeit oder einen runden Geburtstag.
Was ich an dieser ganzen Geschichte am Rührensten fand war, dass es in Brasilien ganz selbstverständlich ist, einen Gast am Familienleben teilhaben zu lassen. Mit Tränen in den Augen haben Mutter und Tochter uns das Video gezeigt, Fotos erklärt und keinen Hehl daraus gemacht, dass es ein wirklich schöner Tag war! Falsche Bescheidenheit gibt es hier wirklich nicht. Ein anderes Mal waren wir bei einer Tia der Creche eingeladen, die uns Fotos ihrer Hochzeit zeigte. Dies nur als Einwurf, dass es nicht die erste und einzige Familie war, bei der ich feststellen konnte, dass die Menschen stolz sind auf die im Leben als Wendepunkt beschriebene Ereignisse. Und auch immer gerne andere daran teilhaben lassen.

Fazit zu diesem Eintrag? Schwierig, denn ich möchte "Deutschland" nicht verurteilen, dass Stolz (egal in welchem Bezug) nicht offen gezeigt wird.
Aber dies sind Beispiele, die zeigen, dass Brasilien und Deutschland in vielen Ansichten und Handlungen sehr verschieden sind und in keinem Sinne vergleichbar.

Donnerstag, 24. November 2011

Cachorro Quente

Bei Cachorro Quente handelt es sich um einen Hot Dog auf brasilianische Art.
Hier eine kleine "Bildergeschichte", wie man dieses wirklich köstliche Fastfood zubereitet.
1. Hier sieht man die überdimensional großen Brötchen für den Hot Dog auf brasilianische Art












2. Ketchup wird auf die Brötchen gegeben


3. Danach wird eine gelbe Soße auf die Brötchen geschmiert. Ich glaube es ist Senf oder zumindest etwas ähnliches!

4. Auf jedes Brötchen werden zwei Würstchen gegeben, sowie eine Tomatensoße mit Zwiebeln

5. Als weitere Zutaten werden Mais und Knusperkartoffelchips (ich weiß nicht, wie ich die leckeren Raspel aus Kartoffeln sonst nennen soll) auf die Brötchen gestreut

6. Als letztes kommt noch eine ordentliche Portion Salat auf jeden Cachorro Quente. Jetzt noch ab auf den Grill, von beiden Seiten etwas rösten und...

... genieeeeeßen :)
Die Meistern Dinalise bei der Arbeit.

Die Angebotsliste. Hier fehlen jedoch die ebenso leckeren Hamburger und Trufa. Bei Trufa handelt es sich um eine Schokoladenpraline mit einer super leckeren Cremefüllung. Die reinste Kalorienbombe schätze ich, aber super lecker :)


Über das Essen hier in Brasilien werde ich noch einen eigenen Blogeintrag verfassen, leider habe ich noch nicht die Zeit gefunden. Außerdem reicht reine Beschreibung bei einigen Dingen nicht, da muss ich unbedingt Fotos von machen!

Dienstag, 15. November 2011

Wenn es regnet....

...fühle ich mich fast wie in Deutschland. Mit dem kleinen Unterschied, dass es mit Pullover und langer Hose fast noch zu warm ist.
Die letzten Tage hat es fast ausschließlich geregnet mit einigen Außnahmen, was wirklich ärgerlich war, da wir Besuch aus Pomerode (der Ort in Santa Katharina, in dem wir im Oktober waren) hatten. Die beiden anderen MaZlerinnen sind für ein verlängertes Wochenende hier. Alle Pläne und Ausflüge, die wir geplant haben sind regelrecht ins Wasser gefallen.
Wenn es in Brasilien regnet kündigt sich das durch eine immer dunkler werdende Wolkendecke an, die immer tiefer zu kommen scheint. Danach frischt es dann erheblich auf, die Blätter rascheln und die Fensterläden klappern. Und wenn das passiert hat man noch 5-15 Minuten Zeit sich in Sicherheit zu bringen, bevor aus den schönen Wetterleuchten am Horizont (die wirklich aussehen, wie im Film. Nur, dass sie nicht künstlich hergestellt werden müssen) Blitze mit vorhergehendem Donner werden.

Bei starken Gewittern hat man hier tatsächlich das Gefühl, dass die Welt untergeht. Es tut mir leid, wenn ich das sagen muss, aber dagegen ist jedes Gewitter, was ich in Arnsberg und Umgebung mitbekommen habe eine leichtes Hüsteln der Natur. Doch hier ist es echte Naturgewalt. Der Wind fegt einem um die Ohren, der Regen durchnässt einen innerhalb von Minuten bis auf die Haut (wenn man so schlau ist und bei dem Wetter raus geht) und der Donner macht einen Glauben, dass irgendwelche Berge einstürzen. Dazu graviert sich immer wieder ein Blitz in den fast schwarzen Himmel ein.
Es ist wunderschön und faszinierend, denn es fühlt sich gefährlich und mächtig an.
Das erste Gewitter hier in Leme habe ich leider verschlafen und habe als Strafe am nächsten Morgen eine riesige Pfütze im Zimmer gehabt sowie gewellte Bücher. Jetzt bin ich schlauer und schließe die Fensterläden zusätzlich zu den Fenstern.

Natürlich ist Regen nichts, was man gut findet. Zumindest in Deutschland. Hier freuen sich zumindest Bauern für ihre Felder und Kinder für ihre Picinas (Schwimmbecken) hinter dem Haus. Für viele Menschen ist Regen jedoch genau wie in Deutschland einfach ungemütlich, vor allem, wenn der Wind durch jede Ritze pfeift und man undichte Stellen im Dach hat.
Hier fange ich jetzt an, egoistisch zu werden, aber ich muss sagen, dass mir das Wetter relativ gut gefallen hat. Zumindest für ein paar Tage mal, jetzt darf auch ruhig mal wieder der Hahn zugedreht werden. Das Wetter hat mich an zu Hause erinnert. Da würde ich Tee trinken, einen Film gucken, mich mit Freunden treffen, ins Kino gehen oder sonst was Gemütliches machen. Hier ist es meist zu warm, um es gemütlich und eingekuschelt haben zu wollen, aber in den Regentagen saß ich richtig gern im Zimmer, habe Musik gehört und einfach entspannt.
Als ich heute beim Supermarkt war habe ich auf dem Rückweg auch noch SCHNECKEN entdeckt. Richtig mit Haus und schleimig, wie man sie kennt. Da ist die Illusion von "Deutschland" doch fast perfekt, oder?

Sonne ist toll, das Klima hier ist herrlich, aber man merkt doch auch, was man an dem achso verfluchten Wetter in Deutschland hat.
Ich freue mich weiterhin auf ein paar sonnige, regnerische, heiße, kühle und auf jeden Fall spannende Monate!

Donnerstag, 10. November 2011

Projekt Weihnachtslieder

Es ist November, es ist kurz vor Weihnachten (relativ gesehen "kurz" davor) und von Weihnachtsstimmung kann in meinem Fall nicht die Rede sein.
Draußen sind es täglich über 24° Celsius, man kann bereits Morgens früh in kurzer Hose und Top rumlaufen, die Sonne steht um kurz vor eins im Zenit, sodass man direkt auf seinem Schatten drauf steht, Abends kühlt es auch nur bedingt ab und man ist froh, wenn es eine Nacht mal regnet, denn so kühlt sich die Temperatur zumindest kurzfristig etwas ab und die Luft ist nicht mehr so drückend.
Wenn man diese Umstände mit den Temperaturen und der allgemeinen Wetterlage in Deutschland zu dieser Jahreszeit vergleicht ist es verständlich, dass sich kein Weihnachtsgefühl einstellt.
Gestern habe ich angefangen mit ein paar Kindern aus der Creche, den Ala-Kindern (die schon zur Schule gehen) ein Weihnachtslied einzustudieren auf der Blockflöte.
Wir drei MaZlerinnen haben dafür vorher ziemlich ewig nach Liedern gesucht, die wir in Deutschland kennen und die auch in Brasilien gesungen werden. Das war nicht einfach, denn Schneeflöckchen Weißröckchen und Nikolauslieder fallen bereits im Vorhinen weg.
Wir haben jetzt das Lied "Noite Feliz"- Stille Nacht, Heilige Nacht, Jingle Bells und Adeste Fideles.
Mit den Ala- Kindern habe ich gestern angefangen "Noite Feliz" zu üben.
Ich muss sagen, dass das alles andere als einfach ist. Nicht nur, dass wir nur knapp 6 Wochen Zeit haben, die Kinder können auch leider keine Noten lesen und müssen alles auswendig lernen.
Ich habe jetzt Morgens eine Gruppe von 4 Kindern und Nachmittags eine mit 3 Kindern.
Als wir gestern begonnen haben dachte ich, dass das NIEMALS was werden würde.
Aber nach 1 Stunde haben wir bereits die erste Zeile des Liedes gelernt. Es war auf jeden Fall eine Zerreißprobe, ich konnte unter Beweise stellen, dass ich seehr geduldig bin, die Kinder waren hinterher stolz auf sich und ich freue mich schon auf die nächsten Stunden.
Heute Morgen war es ähnlich kompliziert, denn 2 Kinder lernen richtig schnell, die beiden Anderen haben Probleme und müssen alles 10 mal flöten.
Aber ich bin zuversichtlich, dass alles klappen wird und wir bis zum 13. Dezember zumindest ein Lied mit Flötenbegleitung einstudiert haben werden und vielleicht noch ein anderes Lied zum Mitsingen.
Es ist auf jeden Fall schön ein Projekt zu haben!
Und vielleicht komme ich dadurch dann doch noch in Weihnachtsstimmung.
Sonst werde ich noch Kekse backen, "Tatsächlich Liebe" gucken und heißen Tee trinken :)