Donnerstag, 9. Februar 2012

Zuhause

Hallo :)

Ich bin am Sonntag, 29. Januar wieder in Deutschland angekommen. Der Grund, weshalb ich diesen Termin nie genannt habe ist der, dass ich meine Familie überraschen wollte.
Für die passende Erklärung, weshalb niemand wusste (außer meine Eltern und mein Freund), dass ich wiederkomme muss ich etwas weiter ausholen.
Im September des letzten Jahres, wir waren gerade 2 Wochen in Brasilien angekommen beschäftigten wir uns bereits mit der Frage, wann und wie wir unser Visum verlängern sollten.
Dabei stellen wir leider fest, dass wir mit unserer gebuchten Ausreise im Februar 3 Tage über den vorgeschriebenen 180 Tagen lagen, die man im Land verbringen darf.
Nach einigen Überlegungen, ob wir nicht einfach ausreisen könnten, um dann nach 2 Wochen wieder zurückzukommen, was aber von unserer Organisation verständlicherweise abgelehnt wurde buchten wir den Rückflug um.
Ich erzählte dies jedoch nur meinen Eltern und meinem Freund, die sich sehr freuten und die Idee, dass ich den Rest überrasche sehr gut fanden.
Am 28. Januar verabschiedeten wir uns also in Leme von allen. Bereits die Woche, bevor wir flogen war seltsam, weil man sich Schritt für Schritt von allen verabschieden musste, Abschiedsgeschenke suchte und mit den Gedanken bereits beim Koffer packen und seiner Familie war.
Ich muss zugeben, dass mir der Abschied von einigen Personen nicht sehr schwer fiel, weil es nicht meine Freunde geworden waren. Die Menschen waren alle sehr nett und wünschten uns auch alles Gute, aber es waren nicht die Leute, mit denen man engeren Kontakt geknüpft hatte.
Anders war es jedoch mit den Nonnen und der Köchin. Ich habe sie alle sehr in mein Herz geschlossen, Eigenarten kennengelernt, gute und schlechte Tage mitbekommen und sie alle tagtäglich gesehen. Da verändert sich die Beziehung und man entwickelt eine Zuneigung.
Was den Abschied von den Schwestern erschwerte war, dass in der Woche bevor wir führen Exerzitien abgehalten wurden (= Eine sehr religiös geprägte Woche, in der, wenn möglich nicht geredet wird...). Wir hatten also keine Gelegenheit mehr noch einmal mit den Schwestern zu quatschen, ihnen bei der Arbeit zuzusehen oder mit ihnen TV zu gucken.
Erst Freitag vor dem Mittagessen wurde das Schweigen wieder aufgelöst. Ach, war das schön, als wir endlich wieder mit den Schwestern sprechen konnten.
Der Abschied am Samstag war ziemlich tränenreich und ich habe ihn wie in Trance erlebt.
Wir hätten uns keinen passenderen Tag aussuchen können, da an dem Samstag das 25jährige Jubiläum einer Schwester gefeiert wurde. Das hieß für uns, dass wir uns vor der Messe um 11 Uhr verabschieden mussten, weil nicht klar war, ob die Messe zu unserem Abfahrtermin um 13.00 Uhr bereits zuende sein würde.
Wir sind also zu jeder Schwester hingegangen, haben uns verabschiedet und mussten dann, als die Messe anfing noch warten, bis uns um halb eins jemand zum Busbahnhof fuhr.
Auch der Abschied von der Köchin war ziemlich besch***...
Man sagt sich immer, dass man zurückkehren will, dass man auf jeden Fall nochmal nach Brasilien kommt und es ist selbstverständlich, dass man mal wieder auf einen Besuch vorbei schaut.
Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin weiß ich, dass das nicht so leicht ist,wie man denkt.
Ich werde nie wieder "in der gleichen Postition" zurückkehren, denn jetzt habe ich 6 Monate dort gelebt. Besucher sein ist etwas ganz anderes.
Wir sind also mit dem Bus zum Flughafen gefahren und haben dort auf den Flug um halb 12 nachts gewartet.
Ich habe auf diesem Flug kaum geschlafen... Die Fahrt hatte größtenteils aus Warten bestanden, weil wir nicht das Risiko eingehen wollten zu spät zu kommen. Also warteten wir ziemlich lange am Flughafen.
Der Flug an sich war katastrophal. Ich habe maximal 3 Stunden geschlafen (der Flug dauerte 12 Stunden). Die restliche Zeit habe ich Filme geguckt und gegessen.
Ich wurde am Flughafen von meinem Freund und einer sehr guten Freundin empfangen. Es war seltsam, sie wiederzusehen, doch natürlich habe ich mich auch sehr gefreut.
Ich habe mich von meinen zwei Mit-MaZlerinnen verabschiedet, die ebenfalls von der Familie und ihren Freunden abgeholt wurden.. und so gehen wir jetzt wieder unseren Weg.
Zuhause angekommen hatte ich bereits vorher mit meiner Mutter abgemacht, dass wir skypen würden und ich danach zuhause klingen sollte.
Ich habe dann von dem Handy meines Freundes aus mit meiner Familie geskypt und bin dann mit ihm zu mir gegangen.
Dort wurde ich an der Tür von meiner Mama empfangen und meiner kleinen Schwester, die ich kurzfristig doch eingeweiht hatte, da ich doch wenigstens von meiner kleinen Familie willkommen geheißen werden wollte.
Als ich dann in das Esszimmer kam, um alle zu überraschen wurde ich mit Luftballons, Willkommens-Schildern und Tröten begrüßt.
Kurzerhand hatten meine Eltern den Spieß umgedreht und dafür gesort, dass in letzter Sekunde doch alle eingeweiht wurden und ICH überrascht wurde.
Die Freude war riesig und es war ein wunderbarer Abend.

Ich bin froh wieder hier zu sein. Nachts träume ich ständig von Brasilien, meinem Tagesablauf und den Räumen und Personen. Es hat noch nichgt aufgehört und es kommt mir fast so vor, als würde ich meine Zeit so verarbeiten. Man kommt schneller wieder in seinen Alltag rein, als man denkt.
Ich bin froh wieder hier zu sein.


Eigentlich ist mein Blog jetzt abgeschlossen.
Doch ich möchte in den nächsten Tagen noch einen letzten Eintrag machen über ein paar Eindrücke der Stadt, gespickt mit Fotos der Armut.
Ich danke aber bereits hier allen Leserinnen und Lesern. Ich bedanke mich für Rückmeldungen und Kritik, für Anregungen und Lob!

Lea