Das Intenet ist weg!
Tatsächlich ist es Samstag im Laufe der Nacht passiert, dass das Gewitter dafür gesorgt hat, dass der Konvent Sonntag Morgen ohne Intrernet war. Im ersten Moment wurden wir beruhigt, dass das bei einem solchen Unwetter (von dem ich mal wieder nichts mitbekommen habe. Ist tiefer Schalf ein Segen?) normal sei, dass das Internet eine Weile weg sei.
Im Laufe des Tages wurde es leider nicht besser.
Man sagt so leicht, dass man ohne Internet kann, dass es nicht schlimm ist, wenn es mal ausfällt, dass man sowieso weniger dran sitzen wollte, dass man ja nicht hier ist, um erreichbar zu sein. Doch kommt man dann wirklich in den Genuss eines internetfreien Sonntags (das muss ich an dieser Stelle besonders betonen, denn dieser Tag ist der einzige Tag der Woche, in dem wir nichts zu tun haben und dementsprechend alle ein paar Skype-Termine- Skype läuft über das Internet- hatten). Anfangs war es einfach frustrierend. Wirklich richtig frustrierend.
Morgens waren wir Gott sei Dank noch abgelenkt, da wir kochen mussten für alle Schwestern (Das Essen war wirklich sehr lecker, bis auf der Reis, obwohl ich nicht weiß, was daran schlecht war. Wir hatten nur unser Zeitmanagement etwas überschätzt, sodass wir in den letzten Minuten noch ziemlich ins Schwitzen kamen und die Küche, die wirklich aussah, als sei... ich weiß auch nicht, es war das reinste Chaos: Töpfe, Schüsseln, Müll. Und alles nicht zu knapp lagen auf dem Tisch, der Arbeitsplatte, auf dem Boden... Wollen wir das nicht weiter ausführen, die Klammer wird sowieso schon viel zu lang... erst hinterher aufräumen konnten mit Hilfe 2 Schwestern. ). Nach dem Kochstress war es jedoch dafür umso frustrierender.
Im Endeffekt habe ich die schlechte Laune abgeschüttelt und habe etwas getan, was ich sonst bestimmt noch eine Weile aufgeschoben hätte. Ich habe Briefe geschrieben, mein Tagebuch weiter geführt und den freien Nachmittag im Endeffekt genossen.
Das mit dem Internet ist schon eine verzwickte Sache. Ich denke, dass Menschen als Rudeltiere, die sich immer mitteilen wollen und auch gern mal neugierig sind einfach diese Quelle Internet "brauchen". Das klingt auf der einen Seite wirklich traurig, denn viele denken, dass die reale Welt durch das Internet ausgeschlossen wird und die Sozialisation und Gesellschaft an sich verloren gehen. Aber ich möchte keine Diskussion vom Zaun brechen. Ich weiß, dass es sehr viele negative und zu kritisierend lohnende Aspekte des Internets gibt, aber muss ich auch sagen, dass es praktische Wege eröffnet, Heimweh um eeeiniges verringert und einen sich nicht einsam fühlen lässt.
Für mich bedeutet Internet nicht, dass man stundenlang "surft" und sucht, schaut und klickt, aber im Endeffekt genauso viel heiße Luft im Kopf hat wie vorher, wenn nicht sogar mehr. Für mich ist das Internet, das Mails schreiben, das Blog-Verfassen ein Weg meine Erlebnisse hier sehr schnell zu verarbeiten und mich wirklich nie einsam zu fühlen. Ich halte gerne Kontakt zu meinen Lieben, auch wenn viele kritisieren werden, dass das nicht der Grund ist, dass ich ins Ausland gegangen bin, denn ich wolle doch selbstständiger werden. Dem kann ich nichts entgegensetzen. Doch ich würde jetzt einfach behaupten, dass das jeder für sich entscheiden muss, denn einige mag es stark machen, sich abzukapseln und "ihr Ding durchzuziehen", doch ich weiß, dass ich daran zerbrechen würde keinen Kontakt halten zu können und nur selten zu erfahren, was zu hause geschieht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zur Internet- Generation gehöre oder ich einfach ein sehr heimatverbundener Mensch bin, obwohl ich niemals gedacht hätte, dass ich das bin. Aber das zeigt mir die Zeit hier. Ich bin nicht für die weite große Welt ohne meine Familie und meine Heimat. Ich bin für die Familie und Heimat. Ich genieße nun weiterhin die Zeit, freue mich auf zuhause und bis dahin hoffe ich, dass ich weiterhin eine ausgeglichene Lösung für den Internetkonsum finde. Den Rest übernimmt das nächste Gewitter für mich!
Montag, 31. Oktober 2011
Freitag, 28. Oktober 2011
Ver-missen
Das Wort "vermissen", nachgeschlagen im Online-Duden
Rechtschreibung
- Worttrennung:
- ver|mis|sen
- Beispiele:
- als vermisst gemeldet; die vermissten (fehlenden) Dokumente; jegliches Taktgefühl vermissen lassen oder vermissenlassen
Synonyme zu vermissen
- nachtrauern, nachweinen, sich sehnen, Sehnsucht haben; (oft abwertend) nachjammern
- fehlen, nicht haben; (gehoben) entbehren, ermangeln
- mittelhochdeutsch vermissen, althochdeutsch farmissen
Grammatik
- schwaches Verb; Perfektbildung mit »hat«
- Das ist die Definition, die ich über dieses Wort gefunden habe. Es ist ein Zitat der Internetseite: http://www.duden.de/rechtschreibung/vermissen
- Ich muss gestehen, seit ich aus Pomerode wieder da bin geht es mir um einiges besser als vorher. Ich habe lange nicht mehr so viel Heimweh, die Arbeit macht mir immer mehr Spaß, was auch daran liegen kann, dass wir seit einer Woche einen "Stundenplan" haben und ich nicht mehr nur im Bercario bei den ganz Kleinen bin (obwohl auf dem Stundenplan Bercario nicht mehr drauf steht und ich die Kleinen echt ver-misse) sondern auch bei größeren Kindern.
- Ich kenne meine Arbeitszeiten, ich weiß, wann ich was im Haus zu tun habe, was ich darf und was man vielleicht vermeiden sollte (zum Beispiel Abends um 10 noch Nägel in die Wand hämmern, weil der Nagel, an dem das Moskitonetz samt Jesus-Kreuz als Halter ständig herunter fällt. Ich spreche hierbei nicht von mir, meine Mit-MaZlerinnen werden mir dieses Beispiel hoffentlich verzeihen), mit welchen Schwestern man worüber reden kann, damit sie glücklich sind (Verzeiht mir die Klammern, einen Abend saßen ich und Maria in der Küche und da hat uns eine Schwestern ganz spontan Fotos ihrer Arbeit gezeigt; sie ist dabei ganz sentimental gewesen und hatte hinterher einen ganz dünne Stimme, aber für mich war es ein superschönes Geschenk, dass sie mit uns diese Erinnerungen geteilt hat. Ich bin ihr sehr dankbar dafür).
- Ich habe mich ein-gelebt und fühle mich wohl. Ich habe vorher zu Hause immer sehr ver-misst, jetzt wird mir plötzlich bewusst, was ich hier ver-missen werde, wenn ich erst einmal wieder in Deutschland bin. Mir ist bewusst geworden, dass ich hier nur 6 Monate meines Lebens verbringe, dass ich danach wieder in Deutschland bin, hier das Leben normal weiter läuft und ich auch in Arnsberg wieder zu meinem Rhythmus gelangen werde.
- Ehrlich gesagt hat mich diese Erkenntnis, die ich da gemacht habe erschrocken, doch hat sie mir auch gezeigt, dass ich angekommen bin. Ich bin mir bewusst geworden, dass ich hier lebe und mich auf die Eindrücke und Ereignisse einlasse.
- Ich habe ein wenig Angst davor, dass ich später, wenn ich wieder in Deutschland bin alles ver-misse, doch weiß ich auch, dass es sich nicht vermeiden lässt.
- Vermissen bedeutet, dass man mit Schmerzen feststellt, dass etwas nicht mehr da ist. Vermisse bedeutet, dass man traurig ist, weil etwas fehlt. Aber vermissen bedeutet auch, dass man etwas gefunden hat, für das man Gefühle entwickelt hat, Zuneigung, Liebe, Leidenschaft.
- Ich bin auf dem allerbesten Weg all diese Gefühle gegenüber Brasilien und meiner Arbeit aufzubringen.
- Und später, wenn ich im eisigen Deutschland sitze dieses spannende, so andere Land zu vermissen.
Sonntag, 23. Oktober 2011
Die Erfahrungen meiner Ohren
Brasilien ist laut. Diese Erfahrung haben meine Ohren bzw. mein Ohr schon oft gemacht. Dazu einige Anekdoten. . .
Da es, soviel ich weiß keinen TÜV oder ähnliches gibt sind die Autos teilweise wirklich richtig laut. Außerdem gibt es ganz viele Autos, auf denen Boxen auf dem Dach angebracht sind, die den ganzen Tag Melodieen dudeln. Ich habe aber jetzt erfahren, dass diese "Musik-Autos" nicht der Bespaßung aller Menschen im Umkreis von 2 km dienen sondern auf sich aufmerksam machen wollen, weil es sich um fahrende Händler handelt, die Gas, Wasser oder Brot verkaufen. Aha! Ist das auch geklärt.
Aber nicht nur die Autos sind laut. Hier im Centro gibt es das nicht so, doch am Stadtrand, wenn wir Familien besuchen ist entweder der Fernseher stark aufgedreht, das Radio (selbst wenn es schrebbelt und man nichts verstehen kann-E G A L) auf "Volle Pulle" und die Unterhaltungen zwischen den Personen laufen auch meist in einer Lautstärke ab, als wenn alle diese Ohrenschützer aufhätten, die Bauarbeiter bei Schleiferarbeiten und Presslufthammereinsatz tragen. Da stehen sich zwei Frauen gegenüber, die eine ruft: Hey, sag Vitoria mal Bescheid, die soll rein kommen. Noch lauter ruft jetzt die andere Frau nach draußen: Vitoria? Du sollst mal eben kommen. Und Vitoria schreit zurück: Ja ich komme sofort, ich muss noch mal eben was machen! Dann ruft die Überbringerin einen klitzekleinen Tick leise: Du, Vitoria kommt gleich, die muss noch was machen. . . Statt, dass die erste Frau direkt nach draußen ruft oder mal eben jemand zu besagter Person hingeht wird sich einfach angeschrieen. Und das fängt bei den Kindern schon an. Die haben ein Organ. Also die Grundlautstärke hier in Brasilien liegt schon einige Dezibel (damit wird doch die Lautstärke gemessen?) höher, wie ich das mitbekommen habe.
Aber die Leute sind nicht empfindlich. Gestern wurden in der Creche neue Fliesen gelegt und der Bauarbeiter, der alles zurecht geschnitten hat hat keine Ohrschützer getragen. Der hat einfach so die Fliesen geschnitten und das laute Kreischen und Quitschen ignoriert. Mir haben sich 3 Meter weiter schon alle Nackenhaare aufgestellt und ich hätte mich nicht weiter heran getraut.
Auch Abends, bei Festen oder am Wochenende scheint es kein Problem zu sein die gesamte Nachbarschaft mit Musik zu beschallen. Wenn nur ein Nachbar so denken würde, würde ich verstehen, dass man Strom sparen kann, ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt... Aber wenn alle Nachbarn Musik anhaben, den Fernseher laufen haben und dann noch über den Lärm hinweg reden finde ich leider keinen Sinn mehr.
Aber dennoch gefällt mir die dabei entstehende Atmosphäre. Wenn man die Stimme beim Reden anhebt, lauter spricht stärkt dies das Selbstbewusstsein. Man nimmt sich wahr, andere nehmen einen auch stärker wahr. Schüchternheit wird hier nicht, wie in Deutschland gelernt sondern durch den Einsatz des lauten Stimmorgans vermieden (Natürlich nicht komplett, es gibt auch hier sehr viele schüchterne Leute. Außerdem ist das nur meine Theorie, nichts Bewiesenes).
Ich lass de Brasilianer Brasilianer sein und höre fasziniert der Geräuschkulisse zu, doch bin ich auch froh, wenn ich wieder hier im stillen Konvent bin, ein paar Vögel zwitschern höre (die Morgens früh um sechs übrigens auch richtig laut sind. Hierbei weiß ich jedoch nicht, ob ich das Zwitschern so stark wahrnehme, weil es lauter ist oder weil die Fenster nicht fest verschlossen sind; das lass dahin gestellt sein) und meinen Ohren eine Pause gönnen kann.
Da es, soviel ich weiß keinen TÜV oder ähnliches gibt sind die Autos teilweise wirklich richtig laut. Außerdem gibt es ganz viele Autos, auf denen Boxen auf dem Dach angebracht sind, die den ganzen Tag Melodieen dudeln. Ich habe aber jetzt erfahren, dass diese "Musik-Autos" nicht der Bespaßung aller Menschen im Umkreis von 2 km dienen sondern auf sich aufmerksam machen wollen, weil es sich um fahrende Händler handelt, die Gas, Wasser oder Brot verkaufen. Aha! Ist das auch geklärt.
Aber nicht nur die Autos sind laut. Hier im Centro gibt es das nicht so, doch am Stadtrand, wenn wir Familien besuchen ist entweder der Fernseher stark aufgedreht, das Radio (selbst wenn es schrebbelt und man nichts verstehen kann-E G A L) auf "Volle Pulle" und die Unterhaltungen zwischen den Personen laufen auch meist in einer Lautstärke ab, als wenn alle diese Ohrenschützer aufhätten, die Bauarbeiter bei Schleiferarbeiten und Presslufthammereinsatz tragen. Da stehen sich zwei Frauen gegenüber, die eine ruft: Hey, sag Vitoria mal Bescheid, die soll rein kommen. Noch lauter ruft jetzt die andere Frau nach draußen: Vitoria? Du sollst mal eben kommen. Und Vitoria schreit zurück: Ja ich komme sofort, ich muss noch mal eben was machen! Dann ruft die Überbringerin einen klitzekleinen Tick leise: Du, Vitoria kommt gleich, die muss noch was machen. . . Statt, dass die erste Frau direkt nach draußen ruft oder mal eben jemand zu besagter Person hingeht wird sich einfach angeschrieen. Und das fängt bei den Kindern schon an. Die haben ein Organ. Also die Grundlautstärke hier in Brasilien liegt schon einige Dezibel (damit wird doch die Lautstärke gemessen?) höher, wie ich das mitbekommen habe.
Aber die Leute sind nicht empfindlich. Gestern wurden in der Creche neue Fliesen gelegt und der Bauarbeiter, der alles zurecht geschnitten hat hat keine Ohrschützer getragen. Der hat einfach so die Fliesen geschnitten und das laute Kreischen und Quitschen ignoriert. Mir haben sich 3 Meter weiter schon alle Nackenhaare aufgestellt und ich hätte mich nicht weiter heran getraut.
Auch Abends, bei Festen oder am Wochenende scheint es kein Problem zu sein die gesamte Nachbarschaft mit Musik zu beschallen. Wenn nur ein Nachbar so denken würde, würde ich verstehen, dass man Strom sparen kann, ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt... Aber wenn alle Nachbarn Musik anhaben, den Fernseher laufen haben und dann noch über den Lärm hinweg reden finde ich leider keinen Sinn mehr.
Aber dennoch gefällt mir die dabei entstehende Atmosphäre. Wenn man die Stimme beim Reden anhebt, lauter spricht stärkt dies das Selbstbewusstsein. Man nimmt sich wahr, andere nehmen einen auch stärker wahr. Schüchternheit wird hier nicht, wie in Deutschland gelernt sondern durch den Einsatz des lauten Stimmorgans vermieden (Natürlich nicht komplett, es gibt auch hier sehr viele schüchterne Leute. Außerdem ist das nur meine Theorie, nichts Bewiesenes).
Ich lass de Brasilianer Brasilianer sein und höre fasziniert der Geräuschkulisse zu, doch bin ich auch froh, wenn ich wieder hier im stillen Konvent bin, ein paar Vögel zwitschern höre (die Morgens früh um sechs übrigens auch richtig laut sind. Hierbei weiß ich jedoch nicht, ob ich das Zwitschern so stark wahrnehme, weil es lauter ist oder weil die Fenster nicht fest verschlossen sind; das lass dahin gestellt sein) und meinen Ohren eine Pause gönnen kann.
Donnerstag, 13. Oktober 2011
Das Leben im Kloster
Diese Überschrift mag manch einen verwundern, doch dachte ich mir heute, dass es an der Zeit ist etwas genauer auf mein "klösterliches" Leben einzugehen.
Wie bereits in einem viel viel früheren Blogeintrag gezeigt habe ich hier im Konvent der Schwestern der Maria Magdalena Postel ein ´realtiv großes Zimmer im zweiten Stock, in dem ein Waschbecken, 2 Betten, ein Schreibtisch und 2 Schränke stehen. Ich wohne wirklich im Luxus könnte man sagen.
Ich gehe ein paar Mal die Woche um halb sieben in die Messe (je nach Motivation) und von da aus gibt es direkt Frühstück in dem großen Speisesaal. Ja, Saal hört sich wirklich etwas pompös an; sagen wir lieber Speiseraum.
Nach dem Frühstück wird immer gemeinschaftlich abgetrocknet und der Tisch für´s Mittagessen gedeckt.
Um acht Uhr morgens beginnt für uns immer die Arbeit: entweder in der Creche, am Stadtrand oder im Fitnessstudio.
Wenn wir um ca. 11 Uhr spätestens wieder im Konvent sind helfen wir der Köchin (ja es gibt eine Köchin. Die ist total lieb, kocht ganz toll und macht die besten "Cachorro Quentes"- Hot Dogs) beim Abtrocknen (ich bin fast Weltmeisterin könnte man sagen) und Salat schnippeln.
Auch das Mittagessen um 12 nehmen wir zusammen mit den Schwestern zu uns. Das ist eigentlich immer ganz witzig, denn man kommt gerne mit den Schwestern ins Gespräch; darüber, wo sie herkommen, wann sie Nonne geworden sind und was sie arbeiten.
Die Mittagspause nutze ich meistens zum E-Mails lesen, beantworten- oder auch erstmal nicht, im Garten sitzen oder in die Stadt gehen und Flip-Flops kaufen. Okay, Flip-Flops habe ich mir erst einmal geholt. Egal, ich will ja nicht abschweifen.
Die Arbeit am Nachmittag beschränkt sich sozusagen auf 2x Stadtrand die Woche und sonst Creche, wobei beides nicht länger als von 14.00/15.00 Uhr bis 17.00 Uhr geht.
Beim gemeinsamen Abendessen, was um 18.00 Uhr bereits ist bin ich nicht immer da, denn meist bekomme ich erst später Hunger.
Das war ein ganz normaler Tagesablauf.
Ich muss sagen, dass ich anfangs etwas misstrauisch war hier im Konvent mit Schwestern unter einem Dach zu leben, doch mittlerweile muss ich sagen, dass ich Gefallen daran gefunden habe. Ich werde keine Nonne, da gibt es zu viele Dinge und Menschen, die mich davon abhalten, doch ich wohne gerne hier. Nachmittags durch das Haus zu laufen, die Schwestern und ihre Eigenarten und Aufgaben im Haushalt kennenzulernen und zu beobachten macht einfach nur Spaß und mir sind die Lieben wirklich schon ans Herz gewachsen. Eine Schwestern steht fast den ganzen Tag in der Lavanderia und wäscht, eine andere unterrichtet die Kinder der Schule im Malen (nicht ganz nach Zahlen, aber mehr als Ausmalen ist es nicht. Trotzdem macht es Spaß dies zu beobachten und ich hatte vorgestern die Ehre selbst ein Gemälde auf Stoff zu zaubern. Das schöne daran war, dass die Schwester sich total gefreut hat, dass ich mich dahin gesetzt habe, um zu malen), wieder eine andere kümmert sich IMMER um den Hausputz, der übrigens jeden Samstag ohne Ausnahme stattfindet.
Ich mag die Schwester, die Deutsch reden kann, die man aber weder in Deutsch noch auf Portugiesisch richtig verstehen kann. Ich mag unsere "Aufpasserin", die für uns verantwortlich ist und sich um uns kümmert. Ich mag sogar die Schwester, die anfangs nur grimmig war und uns jetzt mit einem groben Kniff in die Seite und einem ruppigen Schubs auf dem Flur begegnet. Insgesamt wohnen hier 9 Schwestern, oft ist Besuch da von anderen Schwestern, die dann länger oder kürzer mal bleiben.
Ich weiß auch jetzt schon, dass der Abschied schwer fallen wird, aber ich denke, dass die Erkenntnis nur gut ist, denn so weiß ich, dass ich mich wirklich wohl hier fühle.
Mein Leben im Kloster ist natürlich nicht so schrecklich und streng, wie man es sich vorstellt. Es ist anders als zu Hause, aber es ist nichts schlechtes. Ich bin zufrieden, was will ich denn mehr.
Wie bereits in einem viel viel früheren Blogeintrag gezeigt habe ich hier im Konvent der Schwestern der Maria Magdalena Postel ein ´realtiv großes Zimmer im zweiten Stock, in dem ein Waschbecken, 2 Betten, ein Schreibtisch und 2 Schränke stehen. Ich wohne wirklich im Luxus könnte man sagen.
Ich gehe ein paar Mal die Woche um halb sieben in die Messe (je nach Motivation) und von da aus gibt es direkt Frühstück in dem großen Speisesaal. Ja, Saal hört sich wirklich etwas pompös an; sagen wir lieber Speiseraum.
Nach dem Frühstück wird immer gemeinschaftlich abgetrocknet und der Tisch für´s Mittagessen gedeckt.
Um acht Uhr morgens beginnt für uns immer die Arbeit: entweder in der Creche, am Stadtrand oder im Fitnessstudio.
Wenn wir um ca. 11 Uhr spätestens wieder im Konvent sind helfen wir der Köchin (ja es gibt eine Köchin. Die ist total lieb, kocht ganz toll und macht die besten "Cachorro Quentes"- Hot Dogs) beim Abtrocknen (ich bin fast Weltmeisterin könnte man sagen) und Salat schnippeln.
Auch das Mittagessen um 12 nehmen wir zusammen mit den Schwestern zu uns. Das ist eigentlich immer ganz witzig, denn man kommt gerne mit den Schwestern ins Gespräch; darüber, wo sie herkommen, wann sie Nonne geworden sind und was sie arbeiten.
Die Mittagspause nutze ich meistens zum E-Mails lesen, beantworten- oder auch erstmal nicht, im Garten sitzen oder in die Stadt gehen und Flip-Flops kaufen. Okay, Flip-Flops habe ich mir erst einmal geholt. Egal, ich will ja nicht abschweifen.
Die Arbeit am Nachmittag beschränkt sich sozusagen auf 2x Stadtrand die Woche und sonst Creche, wobei beides nicht länger als von 14.00/15.00 Uhr bis 17.00 Uhr geht.
Beim gemeinsamen Abendessen, was um 18.00 Uhr bereits ist bin ich nicht immer da, denn meist bekomme ich erst später Hunger.
Das war ein ganz normaler Tagesablauf.
Ich muss sagen, dass ich anfangs etwas misstrauisch war hier im Konvent mit Schwestern unter einem Dach zu leben, doch mittlerweile muss ich sagen, dass ich Gefallen daran gefunden habe. Ich werde keine Nonne, da gibt es zu viele Dinge und Menschen, die mich davon abhalten, doch ich wohne gerne hier. Nachmittags durch das Haus zu laufen, die Schwestern und ihre Eigenarten und Aufgaben im Haushalt kennenzulernen und zu beobachten macht einfach nur Spaß und mir sind die Lieben wirklich schon ans Herz gewachsen. Eine Schwestern steht fast den ganzen Tag in der Lavanderia und wäscht, eine andere unterrichtet die Kinder der Schule im Malen (nicht ganz nach Zahlen, aber mehr als Ausmalen ist es nicht. Trotzdem macht es Spaß dies zu beobachten und ich hatte vorgestern die Ehre selbst ein Gemälde auf Stoff zu zaubern. Das schöne daran war, dass die Schwester sich total gefreut hat, dass ich mich dahin gesetzt habe, um zu malen), wieder eine andere kümmert sich IMMER um den Hausputz, der übrigens jeden Samstag ohne Ausnahme stattfindet.
Ich mag die Schwester, die Deutsch reden kann, die man aber weder in Deutsch noch auf Portugiesisch richtig verstehen kann. Ich mag unsere "Aufpasserin", die für uns verantwortlich ist und sich um uns kümmert. Ich mag sogar die Schwester, die anfangs nur grimmig war und uns jetzt mit einem groben Kniff in die Seite und einem ruppigen Schubs auf dem Flur begegnet. Insgesamt wohnen hier 9 Schwestern, oft ist Besuch da von anderen Schwestern, die dann länger oder kürzer mal bleiben.
Ich weiß auch jetzt schon, dass der Abschied schwer fallen wird, aber ich denke, dass die Erkenntnis nur gut ist, denn so weiß ich, dass ich mich wirklich wohl hier fühle.
Mein Leben im Kloster ist natürlich nicht so schrecklich und streng, wie man es sich vorstellt. Es ist anders als zu Hause, aber es ist nichts schlechtes. Ich bin zufrieden, was will ich denn mehr.
Dienstag, 11. Oktober 2011
Meine erste Reise
... werde ich hier in einer kleinen Bildergeschichte präsentieren. Ursprünglich hatte ich den Plan ein Videotagebuch hier einzusetzen, doch leider dauert das Laden ewig und im Endeffekt habe ich aufgegeben. Aber vielleicht versuche ich die nächsten Tage noch einmal wenigstens ein Video einzustellen.
In diesem Torhaus kann man für Deutschland "typische" Dinge, wie Schützenfesthüte, Holzspielzeug und Bierkrüge kaufen.
Das hier abgebildete Gebäude ist das schönste, was ich in Blumenau finden konnte. Es hat mich ein wenig an Zu Hause erinnert.
Zu diesen Tieren gibt es keine besondere Geschichte. Ich dachte es seien vielleicht "die Ratten Brasiliens", aber ich wurde darüber aufgeklärt, dass dem nicht so sei.
Ich denke, der Grund weshalb ich dieses Foto mit in meine Geschichte aufgenommen habe ist der, dass ich diese Tiere nur aus dem Zoo kenne und nicht irgendwo frei herumlaufend.
Ich habe mich in Santa Catharina nicht so gefühlt als sei ich in Brasilien: die Hügel, die weiten Wälder und der stets bewölkte Himmel. Das war für mich nicht das Gesicht Brasiliens, das man sich vorstellt, wenn man an dieses Land denkt. Strand, Palmen und ewiger Sommer sind eher die Bilder, die einem einfallen, wenn man versucht, Brasilien zu beschreiben. Als ich in Blumenau diese Tiere am Wasser gesehen habe, in dieser Stadt, die so wenig mit dem Brasilien zu tun hat, das ich mir ausgemalt habe, wurde mir wieder etwas bewusster, dass ich nicht in Deutschland bin und auch nicht in Europa.
Oktoberfest in Blumenau
Hier noch einmal die Landschaft im Bundesstaat Santa Catharina.
Viel Spaß mit meiner "Bilderbuch"- Geschichte:
Unsere Reise begann am 5.10.2011 um 15:30 Uhr in Leme am Busbahnhof. Ausgestattet mit Rucksäcken, Verpflegung für eine 3tägigen Wanderung durch den tiefsten Djungel und unseren Reisepässen konnte unserer ersten Reise nichts mehr im Weg stehen. Dadurch, dass es hier in Brasilien ein sehr mieses Bahnnetz gibt sind Busse die Nah- und Fernverkehrsmittel schlechthin.
Wir sind also pünktlich um 15:30 Uhr losgefahren und eigentlich sollte der Bus um 18:20 Uhr in Sao Paulo ankommen. Da unser Verbindungsbus erst um 19:45 Uhr in Sao Paulo abfahren sollten dachten wir, dass wir noch genug Zeit haben würden in Ruhe das hinterlegte und bereits bezahlte Ticket abzuholen und uns ein wenig im Bahnhof umzuschauen. . .
Die Busse hier in Brasilien sind wirklich um ein hundertfaches bequemer als jeder Reisebus, mit dem ich in Deutschland je gefahren bin. Auf der Fahrt nach Sao Paulo, die 3 Stunden betragen sollte lief noch Spider Man, so dass die ersten 2 Stunden wie im Fluge vergingen...
... doch dann passierte etwas, was wir niemals hätten vorher sagen können, was für andere Brasilien-und vor allem Sao Paulo Kenner selbstverständlich mit eingeplant hätte werden müssen: STAU in ganz Sao Paulo. Während die Zeit davon rannte, der Bus nur alle paar Minuten zwei Zentimeter nach vorne rollte und wir immer nervöser wurden machten die Mitreisenden immer wieder Vorhersagen, wie lange es noch dauern könnte. "Ach den Bus um viertel vor acht? Den kommt ihr locker... in 10 Minuten sind wir da." - 20 Minuten später "Es ist ja noch etwas Zeit, aber jetzt kann es wirklich nicht mehr länger als vielleicht noch 20 Minuten dauern"- 15 Minuten später "Was habt ihr noch gesagt, wann fährt der Bus? Viertel vor acht? Das schafft ihr nie im Leben, da hättet ihr doch einen früheren Bus nehmen sollen."
Hätten wir das mal gewusst.
Ein sehr netter Herr, mit dem wir uns vorher noch über Sao Paulo, das wunderschön vielfältige Brasilien und das köstliche Essen in diesem wunderbaren Land unterhalten hatten bekam natürlich mit, dass wir immer nervöser wurden, denn die bezahlten Tickets bekamen wir sicher nicht zurück. Er bot uns, als wir den Bahnhof endlich erreichten an, mit zu kommen und uns zu helfen die Tickets umzubuchen und uns zu zeigen, wo wir genau abfahren würden, denn für unseren ursprünglichen Bus war es um kurz vor Acht längst zu spät. Wir also zu dem Schalter und mit unseren Brasilianischkenntnissen und der Hilfe des Herren und eines anderen jungen Mannes, der sogar ein paar Fetzen Deutsch konnte die Tickets umgebucht. Leider mussten wir einen Aufpreis von 45 Reais zahlen, was ziemlich ärgerlich, aber nicht zu ändern war. . .
. . . Im Endeffekt haben wir die bequemste Reise gehabt, die man sich, zumindest als Mensch, der immer nur Economy geflogen und harte deutsche Reisebusse gefahren ist vorstellen kann. Auf dem Foto erkennt man leider nicht so gut, dass die Polster super bequem waren und sich fast bis in die Waagerechte verstellen ließen. Zusätzlich war an dem Sitz des Vordermanns ein weiteres Polster an der Rückenlehne angebracht, sodass man tatsächlich fast das Gefühl hatte im Bett zu liegen. Dazu bekam jeder Reisende eine Decke, ein Kissen und ein kleines Paket mit Keksen (die kleine schwarze Schachtel auf meinem Schlafsack). Also hatten wir trotz des Aufpreises und der Tatsache, dass der Bus nur nach Blumenau fahren würde, von wo wir in einen anderen Bus in Richtung Pomerode umsteigen mussten einen kleinen Trost in Form dieses Luxusbusses. Es war toll, aber in Zukunft das Geld nicht wert.
Als wir am nächsten Morgen ausgeschlafen aus dem Bus stiegen mussten wir zum einen feststellen, dass das Wetter ziemlich danach aussah, als würde es jeden Moment anfangen zu regnen, zum Anderen bekamen wir die Information, dass die Bushaltestelle nach Pomerode erst nach einem Stück Fußmarsch zu erreichen sei. Na tolle Wolle! Der Angestellte des bahnhofes versuchte wirklich uns die Position der Haltestelle zu erklären, im Endeffekt wussten wir jedoch nur, dass wir den auf dem Foto zu sehenden Tramelpfad hoch mussten (welcher mir übrigens zum Verhängnis wurde; dazu später mehr) und dann iiirgendwo abbiegen sollten... Das Problem ist auch, dass an den Bushaltestellen, nicht wie in Deutschland alle Haltestellen, Abfahrtszeiten und Notfalltelefonnummern an der Haltestelle stehen: Hier gibt es ein Dach mit einer Bank darunter. Dort kann man sich hinsetzen und einfach darauf warten, dass der nächste Bus kommt. Wir haben uns dann durchgefragt und eine sehr nette junge Frau hat sogar für uns die Fahrt mit dem Stadtbus bezahlt, in dem wir irgendwann gelandet sind. Der hat uns zu einer Zentralen Station gebracht, die jedoch nicht zentral genug war, als dass der Bus nach Pomerode dort anhalten würde. Nachdem wir von dort nochmal dein Stück gelaufen waren kamen wir endlich an einem Dach mit Bank darunter an, auf der eine Frau saß, die uns versichern konnte, dass ein Bus nach Pomerode hier vorbei fahren würde, wir jedoch winken sollten, damit dieser überhaupt hält. . .
Wir sind dann auch kurz vor dem Mittagessen in Pomerode angekommen und von den dort wohnenden MaZlerinnen abgeholt. Nossa Senhora! Was eine Reise.
Hier ist das passende Foto zu dem verhängnisvollen Hügel. Leute, die mich kennen werden sagen, dass das nur mir passieren konnte. Vielleicht ist dem so, fies gebrannt hat es trotzdem.
Nachdem wir mit unserem schweren Gepäck also losgezogen waren, um den Hügel zu erklimmen und die richtige Haltestelle zu finden rutschte ich auf besagtem Hügel aus und schlug mir mein Schienenbein und mein Knie auf. Da ich leider eine Strumphose trug konnte ich nicht nachsehen, was passiert war. Ich spürte nur, dass der dunkle Fleck am Schienenbein immer größer wurde und es wirklich weh tat. In Pomerode angekommen habe ich mich erst ziemlich erschrocken, als mein ganzes Bein rot verschmiert war. Nachdem ich die Wunder gesäubert hatte konnte ich Gott sei Dank feststellen, dass es "nur" eine kleine Wunde am Bein ist.
Spätestens an meiner standesamtlichen Hochzeit, wenn ich ein knielanges Kleid tragen möchte und das nicht kann, weil eine hässliche weiße Narbe an meinem Bein zu sehen ist werde ich diesen Tag verfluchen.
Nein, Kleiner Spaß am Rande.Eine Narbe wird es bestimmt geben, aber dann werde ich immer an meine Zeit an Brasilien denken. Solange es die einzige Narbe ist, die ich von diesem Aufenthalt davon trage nehme ich es gelassen. Abends hat die Wunde auch endlich aufgehört zu nässen. Aber noch weiter in Details einsteigen möchte ich nicht.
Pomerode ist eine kleine Stadt ca. 32 km von Blumenau entfernt. Ganz anders als in Sao Paulo sind hier keine Felder und weiten Ebenen zu finden sondern hohe Berge, in denen sich die Wolken zu verfangen scheinen, dicht bewachsen und schützend um den Staat gelegt, könnte man sagen. Mir erschien es teilweise eher einengend, denn in Leme kann man an guten Tagen kilometerweit gucken.
Auch das Klima ist ganz anders als in Deutschland. Ich hatte den gesamten Aufenhalt das Gefühl, dass meine Klamotten klamm seien und auch meine Haut nie richtig trocken sei.
Dieses Foto wurde direkt an der Creche aufgenommen. Die Creche und die Schule hier sind viel neuer als in Leme. Das Gelände ist um einiges größer und die Kinder haben viel mehr Möglichkeiten zu spielen. Doch trotzdem habe ich direkt am ersten Tag festgestellt, dass ich mit Leme genau die richtige Entscheidung getroffen habe.
Hier in Pomerode sieht man keine Armut. Die Häuser sind nicht verrammelt, die Grundstücke liegen einfach offen da.
Außerdem bin ich ein Fan von dunklen Augen, dunkler Haut und Kraushaaren. Hier im Süden haben die Kinder und auch Erwachsenen überraschend oft blonde Haare und blaue oder grüne Augen.
Das abgebildete Haus ist das bekannteste Wahrzeichen Pomerodes. Reisende, die das Städtchen in den grünen Bergen suchen wissen, dass sie angekommen sind, sobald sie dieses Tor erreichen. In der gesamten Stadt ist Kopfsteinpflaster zu finden und überall stehen noch alte Fachwerkhäuser.
Bei diesem Gebäude handelt es sich um das Restaurante "Schorstein". An den Fahnen sieht man auch hier wieder, wie deutsch alles gehalten werden soll. Ob dies immer so ist oder nur daran liegt, dass zur Zeit unseres Aufenhaltes Oktoberfest ist kann ich nicht sagen, doch mich hat es überrascht, dass die Farben Schwar, Rot und Gold so oft zu finden waren.
Über Blumenau steht im Reiseführer oft, dass das Städtchen durch die vielen Fachwerkhäuser ein für Touristen interessantes Ziel sei, doch ich muss sagen, dass ich fast enttäuscht war. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mit unsere Altstadt im Sauerland ziemlich verwöhnt bin. Wir hatten trotzdem einen schönen Vormittag in Blumenau, haben Andenken gekauft (ich habe mir einen Metallbecher und ein passendes Band zum Umhängen gekauft. Super praktisch, denn so hat man auf jeder Party seinen eigenen Becher und muss diesen nichtmal die ganze Zeit in der Hand halten) und in einem riesigen Kaufhaus zu Mittag gegessen. Eigentlich wollte ich zu MC Donal´s, habe mich dann aber für eine brasilianische Fast Food Kette entschieden.Das hier abgebildete Gebäude ist das schönste, was ich in Blumenau finden konnte. Es hat mich ein wenig an Zu Hause erinnert.
Zu diesen Tieren gibt es keine besondere Geschichte. Ich dachte es seien vielleicht "die Ratten Brasiliens", aber ich wurde darüber aufgeklärt, dass dem nicht so sei.
Ich denke, der Grund weshalb ich dieses Foto mit in meine Geschichte aufgenommen habe ist der, dass ich diese Tiere nur aus dem Zoo kenne und nicht irgendwo frei herumlaufend.
Ich habe mich in Santa Catharina nicht so gefühlt als sei ich in Brasilien: die Hügel, die weiten Wälder und der stets bewölkte Himmel. Das war für mich nicht das Gesicht Brasiliens, das man sich vorstellt, wenn man an dieses Land denkt. Strand, Palmen und ewiger Sommer sind eher die Bilder, die einem einfallen, wenn man versucht, Brasilien zu beschreiben. Als ich in Blumenau diese Tiere am Wasser gesehen habe, in dieser Stadt, die so wenig mit dem Brasilien zu tun hat, das ich mir ausgemalt habe, wurde mir wieder etwas bewusster, dass ich nicht in Deutschland bin und auch nicht in Europa.
Oktoberfest in Blumenau
Nachdem ich mich tagsüber mit einem Becher ausgerüstet hatte konnte es Abends direkt los gehen zum Oktoberfest. Nach dem Münchener Oktoberfest ist dies das bekannteste bestehende Oktoberfest auf der Welt. Verrückt, wenn man bedenkt, wie weit entfernt Deutschland von hier ist. Aber die Auswanderer, die vor ca. 200 Jahren von Deutschland hier hin zogen brachten die "guten alten Tugenden" direkt mit hier hin. So besteht auch heute noch das Oktoberfest hier und wird von Jahr zu Jahr populärer und größer. Das Gelände, auf dem das Fest stattfindet ist wie eine kleine Stadt in der Stadt Blumenau. Hier wurden extra Häuser gebaut, die der Bauart des Fachwerkhauses entsprechen und man fühlt sich tatsächlich wie zuhause. Es gibt 3 große Festhallen, die jeweils verschieden geschmückt sind. Und natürlich jede Menge Bier(kein Deutsches und ich bin keine Kennerin, aber man konnte es gut trinken. Vor allem aus meinem Metallbecher hat das super geschmeckt). Brezln und Weißwurst haben wir leider nicht finden können.
Viele der Menchen liefen in "Trachten" herum, wobei es sich bei den meisten Hosen nicht um Lederhosen handelte und auch die Dirndl sahen nicht halb so schön aus, wie in Deutschland. Aber so sollte das ja auch nicht sein denke ich.
Wir hatten auf jeden Fall einen schönen Abend. Ich glaube auch, dass wir die einzigen waren, die die ganzen Lieder kannten, denn es lief fast ausschließlich deutsche Musik. Der Text beim "Fliegerlied" war zwar leicht abgewandelt in ".. Weil ich dich mog und ich sog: heut ist so ein schöner Tog", wobei man sich jetzt natürlich frogt, was das für Worte sind. Außer uns ist aber bestimmt keinem aufgefallen, dass die Worte mog,sog und Tog keinen Sinn machen. E G A L ! Wie gesagt, andere Kultur, andere Lieder :)
Zu diesem Bild möchte ich kurz erzählen, dass wir den Sonntag nach dem Oktoberfest leider verschliefen und nicht mehr, wie eigentlich geplant nach Joinville fahren konnten (dabei handelt es sich um eine kleine Stadt, die ebenfalls im Reiseführer angepriesen wird, es würde sich lohnen dahin zu fahren. Brasilianer ihrerseits sehen in diesem Ort keine Reize). Stattdessen machten wir uns im Touristenzentrum schlau, wo man den "mal eben" hinspazieren könnte. Im Endeffekt landeten wir bei diesen kleinen süßen Häuschen. Dass wir insgesamt 2 1/2 Stunden unterwegs waren und es außer diesen Häusern wirklich nichts Tolles zu sehen gab war zwar etwas enttäuschend, aber so bekommt man seinen Tag auch herum. Ich für meinen Teil weiß jetzt auf jeden Fall, dass ich niemals eine Wanderin werde, denn kilometer weit durch die Walachei zu laufen ist nicht wirklich mein Ding. An alle Wanderer: Das ist keine Kritik an euch, ich persönlich könnte dem nur wahrscheinlich nichts abgewinnen, was auch an meiner Unsportlichkeit und Faulheit liegen mag.
Wir hatten trotzdem einen netten Tag und besser als irgendwo herum zu sitzen war es allemal. . .
. . . Hinterher, als wir alle etwas K.O. wieder in Pomerode angekommen waren gingen wir ins "Torten Paradies". Meiner Meinung handelt es sich hierbei wirklich im eine Touristenattraktion. Hier gibt es die köstlichsten Kuchen udn Torten zu kaufen. Dass ich so begeistert von diesem Café war kann vielleicht auch daran liegen, dass es sowas in Leme überhaupt nicht gibt. Damit meine ich Häuser, in denen man stundenlang Kaffee trinken kann, gemütlich sitzt, plaudert und es einfach nur genießt aus dem Haus zu sein. In Deutschland sitze ich gerne und auch gerne ständig in solchen Cafés und als wir in Pomerode waren habe ich erstmal gemerkt, wie sehr mir das wirklich fehlt. Da merkt man doch auf einmal, wie anders es hier ist. . .
. . . garnicht anders war am nächsten Tag das Weihnachtsmann-Haus, dass wir auf dem Weg gesehen haben, als wir zu einem Brasilianer wollten, der uns zum Mittagessen eingeladen hatte. Dazu eine kleine Geschichte: Wir wollten eigentlich um halb 10 mit dem Bus zu besagtem Brasilianer fahren, merkten dann aber, dass der Bus erst um 10 Uhr kommen würde. Also dachten wir uns: Komm, das kann doch nicht so weit sein, laufen wir das kleine Stück, dann sind wir auch pünktlich da. Wir haben uns also ohne jegliche Verpflegung, nur in Flip-Flops auf den Weg gemacht. . . 2 Stunden später kamen wir dann endlich an der Bushaltestelle "Lanchoneta dos Amigos" an. Wir hatten uns wohl doch etwas verschätzt. Bis auf Blasen an den Füßen, einem dicken Sonnenband auf den Schultern (den ich bei der Rückreise besonders spürte, als mein Rucksack genau dort drauf drückte) und schweißnassen Klamotten war es ein schöner Spaziergang. Und wären wir nicht gelaufen, wäre das Foto von dem Weihnachtsmann- Haus nicht entstanden.
Das Mittagessen war auch sehr lecker, als wir endlich mal ankamen.
Meine erste Reise innerhalb Brasiliens hat viel mehr Überraschungen bereitgehalten, als ich es mir für einen Abenteuer- Roman je ausgemalt hätte.
Es war auf jeden Fall lohnenswert ein anderes Gesicht Brasiliens kennen zu lernen und ich freue mich auf die Reisen, die mir hier noch bevorstehen.
Und wie es so schön heißt "Die Reise ist das Ziel" habe auch ich gemerkt, dass das Reisen fast wichtiger ist als das Da-Sein.
Aber auch An-Kommen ist wichtig und ich habe dadurch, dass ich in Pomerode fast etwas Heimweh nach Leme hatte gemerkt, dass ich es trotz Heimweh und Anfangsschwierigkeiten geschafft habe hier anzukommen.
Ich bin in Brasilien, in Leme angekommen.
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