Dienstag, 27. Dezember 2011

Abenteuer Familienbesuche

Zu unseren Aufgaben gehört auch, dass wir Familien besuchen, die entweder finanzielle Unterstützung von Patenfamilien in Deutschland und Holland bekommen oder in dem Büro der Schwester waren, um ihr ihr Leid zu klagen.
Bei den Familienbesuchen geht es zu einem darum, dass wir uns ein Bild von der Lage machen, in der sich die Familien befinden,zum anderen herauszubekommen, ob das Wehklagen wirklich recht war und ob Dinge benötigt werden, wie die Familienmitglieder miteinander umgehen, ob die Kinder die Schule besuchen und in welchen Zustand die Häuser und Gerätschaften sind.
Dabei haben wir schon sehr viel zu Gesicht bekommen: Häuser, bei denen der Mörtel bröckelt, in dessen Fenstern keine Glasscheiben sind.
Ein Haus war fast komplett schwarz vor Schimmel. Die Bewohner wollten gerne renovieren, aber wahrscheinlich würde Abreißen der einzige Weg sein, um den Schimmel loszuwerden. Eines der Kinder war bereits krank geworden wegen des Schimmels.
In viele Häusern gibt es nur 3 Räume, die im Mittel nicht sehr groß sind. Eine Küche, ein Bad und ein Schlafzimmer sind oft Grundausstattung in den Hütten. Tagsüber werden die Matratzen für die Bewohner gestapelt, weil sonst kein Platz ist und nachts schlafen dann 7 Leute auf engstem Raum zusammen.
Die Häuser sind auch alle nicht klimatisiert, so dass es an warmen Tagen immer riecht, überall Fliegen herumschwirren, egal wie sauber das Haus sein mag und die Menschen eher auf die Straße in den Schatten eines Baumes flüchten als drinnen zu bleiben. Deshalb sieht man hier so oft die Menschen auf der Straße denke ich. Nicht, weil sie so gerne auf der Straße sitzen sondern weil es im Haus einfach noch heißer und stickiger ist als draußen.
Ich selbst kann mir natürlich nicht vorstellen in solchen Häusern zu leben. Und natürlich gibt es die reichen Familien, die 2 Wohnzimmer haben und ein Werkhaus mit riesigem Grill und einer Tischtennisplatte sowie einem Gemüsegarten.
Aber wir sehen die Viertel, in denen verbeulte Rostlauben vor den Häusern stehen, Tore nicht immer aus massivem Eisen sondern zusammengewürfelten Spanplatten bestehen, die beim nächsten Windstoß drohe umzufallen.
Ich möchte die Leute nicht bemitleiden, weil sie versuchen das Beste aus ihrer Lage zu machen doch schluckt man doch manchmal, wenn man einen kranken Mann im Bett liegen sieht, der seit Wochen im Sterben zu liegen scheint oder eine Familie besucht, dessen Fußboden aus plattgetretener Erde besteht.
Die Menschen sind freundlich und zuvorkommend, bieten ständig Getränke und Essen an und haben keine Hemmungen ihre Häuser zu zeigen.
Das lässt mich merken, dass die Leute kein Mitleid wollen sondern einfach Mitmenschen, die die Augen nicht verschließen sondern hinschauen und sich nicht fremdschämen oder schnell wieder verschwinden, weil das Haus nicht dem Standard entspricht. Ich glaube genau aus dem Grund ist ein Besuch von uns "Deutschen" immer noch besonderer als der Besuch der Schwestern. Weil wir "Deutschen" sowieso in besseren Häusern leben und sowieso mehr Essen haben und mehr Zimmer. So der Blick hier auf uns. Und durch den Besuch zeigen, dass andere Standarde (sagrt man das so?) Keinesfalls zu verachten sind!

Der Eintrag sollte eigentlich von einem Erlebnis handeln, was sich heute zugetragen hatte. Doch wie so oft beim Schreiben lenkt man plötzlich in eine ganz andere Richtung und der Eintrag bekommt einen völlig neuen Schwerpunkt.
Bei dem Ereignis handelte es sich auch nur darum, dass wir zu einer Adresse fuhren, weil dort eine 90 jährige Frau mit ihrem Adoptivsohn leben sollte. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass die Adresse zwar existiert, aber die angegeben Bewohner nicht. So versuchen einige Leute die Schwester im Büro an der Nase herumzuführen, um für sich ein paar Lebensmittel herauszuschlagen. Auch solche Menschen gibt es hier: Personen, die nicht viel haben, aber versuchen durch Lügen an ihre "Rechte" zu gelangen.

Ein Fazit gibt es zu diesem Eintrag nicht! Zumindest kein von mir verfasstes!

Montag, 26. Dezember 2011

Weihnachten mal anders

Dieses Jahr habe ich Weihnachten, wie ich natürlich bereits vorher wusste ganz anders gefeiert und erlebt.
Vom Wetter, über die Adventszeit bis zur Feier und den Begegnungen war alles neu und aufregend.
Die Adventszeit spielt an sich keine große Rolle in Brasilien. Man besingt nicht jede Woche den nächsten Advent, auch wenn es einen Adventskranz gibt. Auch habe ich nichts "besinnliches" mitbekommen, denn überall hat vor allem das Kaufen im Vordergrund gestanden. Und zwar schlimmer als in Deutschland meines Erachtens nach.
Im krassen Gegensatz zu diesem Gedrängel in den Geschäften, den vielen vielen Lichtern und der Werbung im Fernseher war die Arbeit mit den Familien.
Von unserer Schwester mitorgansiert und von vielen freiwilligen Helfern unterstützt findet jedes Jahr eine Aktion mit Ess-Körben hier in der Stadt statt.
Leute aus Deutschland oder reichere Brasilianer geben dann eine bestimmte Menge Geld, von dem Körbe mit Lebensmitteln gekauft werden: Reis, Bohnen, Nudeln, Tomatensoße, Dosenobst und der berühmte Pannetone (Kuchen) sind fast immer Hauptbestandteile der Körbe.
Diese Körbe werden dann zusammengestellt, ins Auto geladen und an Familien verteilt.
Ich habe hier in Brasilien nicht nur Konsum und Hektik mitbekommen, auch wenn ich es auffälliger fand als Zuhause. Doch ich habe etwas anderes kennen gelernt, was ich in Deutschland nicht wirklich mitbekommen habe (außer im Radio mit der Aktion Lichtblicke. Tolle Sache übrigens!).
Dankbarkeit von den Menschen, die sich keine leckeren Naschereien für den Advent leisten konnten. Dankbarkeit für die banalen Dinge, wie mal kurz vorbei schauen, fragen, ob alles in Ordnung ist, ein paar deutsche Süßigkeiten dalassen, weil man sowieso viel zu viele hat und dann frohe Weihnachten wünschen.
Unterstützung geben und kaum an sich denken. 
Es war wirklich das erste Weihnachtsfest, an dem ich kaum Geschenke bekommen habe. Seife, einen Schlüsselanhänger und ein geknüpftes Armband waren meine Geschenke. Und ein Parfume aus Deutschland ( :* ). Es war bescheiden, aber auf jeden Fall zufrieden stellend.
Kurz vor Weihnachten kam ein riesiges Paket mit Kinderkleidung hier an. Wir haben für eine Hochschwangere Kleidung ausgesucht und als sie kam und all die Sachen sah, war sie so gerührt und überwältigt, wie viel Kleidung in der Plastiktüte waren.  Ich hatte nicht gedacht, dass man sich so freuen kann.
Auch allgemein freuen sich die Leute so sehr, wenn wir bei unseren Besuchen eine Flasche Öl dalassen oder eine Tüte mit Nudeln. Wenn man bedenkt, an was für banalen Dingen es den Menschen hier fehlt bleibt einem nichts mehr zu sagen.
Es dauert eine Weile bis man realisiert, wie arm viele Menschen hier sind. Oft sieht man die Armut nicht auf den ersten Blick. Man sieht es an den ungewaschenen Haaren, die schlecht geschnitten sind, man merkt es an den Schuhen, die ausgelatscht und kaputt sind (man merkt es nicht an den Hosen und Shirts! ), man merkt es an den Körpern, die von der harten Feld- und Plantagenarbeiten muskulös und dürr gleichzeitig sind.
Man bemerkt diese krasse Armut nicht auf den ersten Blick. Wenn man in die Häuser geht, die nicht verputzt sind, in denen keine Fliesen liegen, durch dessen Mauerritzen es zieht, in denen es keine Türen oder Fensterscheiben gibt bemerkt man, wie es ist, nicht reich zu sein!
Zu Weihnachten bemerken Leute (denen es gut geht) mehr, dass sie von dem, was sie haben etwas abgeben können. Aber ich frage mich oft, ob sie es als Pflicht ansehen, weil man das so macht oder weil sie wrklich wissen, dass sie etwas so Kostbares und Gutes tun!
Ich sehe es als eine wertvolle Erfahrung gesehen zu haben und immer wieder zu sehen, dass Geld, was gespendet wird auch ankommt und was bewegt. Dass es glücklich macht und Menschen sich sehr dankbar zeigen.
Ich wünschte alle Leute, die Geld an irgendwelche Organisationen spenden würden dahinter blicken, dass sie nicht nur ihr Gewissen beruhigen (was bestimmt einige tun ;) ) sondern wirklich etwas Gutes tun, was Menschen in der Welt hilft.
Ich bin sehr dankbar für dieses Weihnachten mal anders. Verständlich? 

Dienstag, 13. Dezember 2011

Des Nachts....

Tagsüber passiert hier in unserer Wohngegend nicht viel. Es fahren Autos, Motorräder (einige mehr getunet als andere und somit schon 2 Minuten vorher zu hören) und Fahrräder. Menschen gehen am Konvent entlang und alle paar Stunden das "Gas- Auto" mit der Klaviermelodie "Für Elise", um sich anzukündigen. Man sollte also meinen, dass es richtig ruhig hier ist. Falsch gedacht. Sobald die Dämmerung einbricht oder noch besser es schon richtig dunkel ist und man eigentlich genau die selben Dinge wie tagsüber erwartet, denen man begegenen würde (außer dem Gas-Auto, wer kauft schon Abends um 8 noch Gas?) tritt ein ganz anderes Geräusch auf. Man stelle sich kurz vor man gehe über eine unbelebte Straße, an dunklen Häusern vorbei, alle paar Meter steht eine Laterne, die die Straße in orangenes Licht hüllt. Doch trotzdem gibt es zwischen den Laternen immer diese dunklen Streifen, an die das Licht nicht mehr heranreicht, bevor die nächste Laterne steht. In der Ferne hört man Autos und Musik. Man geht alleine durch die Wohnstraßen, immer schön auf dem Bürgersteig. Denn da ist man sicherer als auf der Straße.
F a l s c h  g e d a c h t !


JEDES Mal, wenn ich in dieser Situation bin, JEDES Mal, wenn wir durch die Straßen gehen passiert unvermittelt etwas, an was wir auch nach diesen Monaten immer noch nicht gewöhnt haben. Und JEDES Mal erschrecke ich mich zu Tode. Na, schon erraten, was passier?!

Diese blöden Hunde, die den ganzen Tag keinen Piep von sich geben springen einem entgegen und bellen wie Verrückte. Da hat man das Gefühl, sein letztes Stündchen hätte geschlagen, man würde gleich in Stücke gerissen oder zumindest ganz furchtbar gebissen, man überlegt sich wie ein panisches Kaninchen, wo man sich verstecken könne, ob der Zaun wohl keine Spitzen oben drauf hätte, damit man darauf flüchten könne, ob man wohl schneller als der Hund sei. Im Endeffekt muss man das natürlich alles nicht einmal im Ansatz tun, denn die Hunde befinden sich hinter den Zäunen, die jedes Grundstück hier umgeben. Trotzdem! Wenn ein Hund so wansinnig einige Zentimeter vor einem hochspringt (denn man dachte ja, der Bürgersteig sei sicherer als die Straße. Haha!) denkt man so.
Bei einigen Grundstücken wissen wir mittlerweile zwar, dass man einen Bogen machen muss, weil die Biester direkt angerannt kommen und Alarm schlagen. Doch lernt man immer wieder neue Hunde kennen.
Ich kann nicht ganz verstehen, wie man sich solche Hunde anschaffen kann. Natürlich ist es faszinierend, dass man sie so erzogen hat, dass sie bei Dunkelheit bellen und am Tage lediglich den Kopf von ihren Pfoten heben und träge schauen, wer denn da wieder vorbei geht. Dennoch kann ich mir etwas Schöneres vorstellen, als jedes Mal, wenn ein Passant am Grundstück vorbei geht Bescheid "gesagt" zu bekommen.
Naja, so ist das hier in Brasilien.
Und nächstes Mal passe ich wirklich besser auf und gehe nicht auf dem Bürgersteig!

Samstag, 10. Dezember 2011

Weihnachtsstimmung

Viele haben mich schon gefragt, wie ich es schaffe in Weihnachtsstimmung zu kommen, denn das sei in einem Land, in dem die "Kälte" (15°C ???) genau in der anderen Hälfte des Jahres liege nicht einfach.
Das kann ich bestätigen! Ich weiß zwar, dass zur Zeit Advent ist und dass in knapp 3 Wochen das Christkind kommt. Aber spüren tue ich davon dieses Jahr leider wenig. Damit meine ich nicht, dass ich die für den Advent tpyischen Dinge nicht tue!
Ich höre unser schönes Radio Sauerland im Internet, weil dort die schöne Weihnachtsmusik läuft, wir haben bergeweise Plätzchen gebacken, die wirklich köstlich sind. Ich habe Weihnachtsschmuck gebastelt, einen Adventskranz im Zimmer (bei dem ich immer noch keine Kerze angezündet habe...), 3 Adventskalender (an dieser Stelle ein riesen Dank an Lina& Meine Tanten und Onkel) und auch in der Stadt sieht man überall "Papai Noels" aus dem Fenster hängen und Licher blinken.
Doch mit spüren meine ich dieses Gefühl, was man verspürt, wenn Weihnachten näher rückt, wenn die Familie zusammen sitzt, der Kamin angemacht wird und es draußen kalt, nass und dunkel ist. Ich weiß, dass sich in Deutschland alle über "schlechtes Wetter" beschweren, doch glaubt mir! Zu Weihnachten ist Sonne und eine Durchschnittstemperatur von 26° C nicht sehr vorweihnachtlich und macht auch manchmal traurig. Aber nur manchmal, denn trotz des fehlden Gefühls genieße ich dieses neue Erleben der Adventszeit doch sehr!
Die Brasilianer stehen total auf Lichter! Überall in der Stadt findet man Figuren, die aus Lichterschläuchen geformt sind, Girlanden (gern auch blau und blinkend) und Lichterketten.
Letztes Wochenende wurde der See nach langer Schließung neu eröffnet. Jetzt sind überall Lichtgirlanden, Engel und in der Mitte des Sees entspringt eine riesige, ständig farbwechselnde Wasserfontäne. Außerdem gibt es ein Haus, in dem man täglich von 19-22 Uhr den "Papai Noel" (Weihnachtsmann) besuchen kann.
Also, die Brasilianer tuen schon sehr viel, damit man auch ja nicht vergisst, dass Weihnachten vor der Tür steht. Wie auch in Deutschland steht vor Weihnachten alle Welt (mhh) Kopf, weil man Geschenke kaufen muss, das richtige Essen zaubern will und die perfekte Feier mit der Familie möchte. Seit November stehen die Weihnachtsleckereien in den Supermarktregalen und die Dekos in den Schaufenstern. Nicht anders als in Deutschland würde ich behaupten. Nur Nikoläuse aus Schokolade gibt es hier nicht. . .
Am Stadtrand haben wir letzte Woche auch Kekse gebacken mit den Kindern, was ein großes Highlight für alle war. Obwohl Kekse backen nicht allzu verbreitet ist hier. Auch gibt es keine Adventskalender oder Kärnze. Schade eigentlich, aber dann gibt es wohl doch noch kulturelle Unterschiede! Auch gibt es hier kein Christkind, was Geschenke bringt.
So ist das hier mit der Weihnachtszeit. Ich genieße sie. Und eine Sache, die hier wie auch in Deutschland gleich ist ist der "Winter"speck, den ich mir angefressen habe. Aber das ist eine ganz andere Geschichte (oder lieber keine Geschichte ;) ).

Ich wünsche allen eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und vor allem Schnee und Minustemperaturen (ich meine das ernst!)

Wenn die Nacht zum Tag wird

Hier in Brasilien ist alles anders. Diesen Satz kann man wahrscheinlich auf fast jede Situation übertragen, auf das Essen, die Menschen, das Wetter, die Häuser und Gewohnheiten.
Eine Sache, die mir hier gut gefällt und die mit dem Wetter bestimmt zusammenhängt ist, dass der Tagesrhythmus der Brasilianer ganz anders als der der Europäer ist. Zumindest, was die weiter nördlich gelegenen Länder angeht. Für mich bedeutet das im ewigen Sommergefühl zu leben.
Während tagsüber kaum was los ist auf den Straßen (was verständlich ist bei 30° C im Schatten) kommen, sobald die Dämmerung hereinbricht alle Menschen aus ihren Häusern.
Das Schöne ist, dass das Leben hier nicht im Haus abläuft und auch nicht im Garten, wenn es denn einen gibt sondern am Besten vor der Haustür mit Blick auf die Straße und wenn es doch noch weiter geht auch gern auf dem Bürgersteig.
Dann werden die Stühle herausgebracht, die Musik im Wohnzimmer laut gedreht, alle Fenster aufgerissen und die Nachbarn eingeladen, sich doch dazu zu setzen und den neusten Tratsch auszutauschen.
Es ist herrlich gegen Abend durch die Straßen zu laufen, an vielen vielen (es sind wirklich viele) Bars vorbei zu kommen (in jeder dieser vielen vielen Bars sitzen sogar Leute!), Kindern mit Fahrrädern zu begegnen und das Leben zu beobachten, was sich abspielt.
Jetzt zur Weihnachtszeit beschränkt sich dieses bewegte Bild nicht nur mehr in den Wohnstraßen sondern auch auf der Hauptstraße, da die Geschäfte länger geöffnet sind. Verdrehte Welt! Tagsüber ist kaum etwas los in den Geschäften, ich dachte immer, dass die Brasilianer einfach nicht sooo viel einkaufen würden. Kommt man jedoch des Abends die Hauptstraße herunter gleichen die Bürgersteige wie Dortmunds Fußgängerzone an einen sonnigen Wochenende.
Da laufen mit Tüten beladene Frauen herum, Kinder mit Eis, Männer mit ihren Kumpels und junge Mädchen, aufgemöbelt bis ins kleinste Detail, die sich von den an den Straßenecken stehenden Jungs bewundern lassen.
Ich finde es herrlich zwsichen diesen Menschen zu sein, nicht von Weihnachtsstress gehetzt sondern ganz ruhig. Da fühlt man sich wahrhaftig in einen ewigen Sommer versetzt. Denn anders als hier, wo das ganze Jahr über reges Treiben bei Nacht herrscht wird in Deutschland nur in den Ferien oder manchmal am Wochenende ebenfalls die Nacht zum Tag.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Krabbeltiere

Ach herrlich, jetzt schreibe ich doch tatsächlich einen Eintrag über Krabbeltiere in Brasilien.
Wie auch in Deutschland gibt es hier natürlich Insekten und davon nicht zu knapp. In den ersten Wochen habe ich die Qualitäten der Stechmücken hier zu spüren bekommen. Gott sei Dank habe ich mittlerweile nicht mehr so viele Stiche.
Ein einziges Mal hatte ich eine Raupe im Salat. Auch direkt am Anfang in den ersten 2 Wochen. Das fand ich auch sehr ekelig und habe eine Woche keinen Salat mehr gegessen. Doch danach hat man doch wieder Appetit. 
Dann gibt es Kakerlaken hier. Ja, Kakerlaken sind ekelhaft, aber ich habe bis jetzt nur 3 gesehen. Direkt in den ersten 4 Tagen auf der Treppe eine lebendige, später auf der anderen Treppe im Konvent einen tote und dann noch einmal auf dem Gelände der Creche. Wirklich kein Grund zur Panik! Damit kann man ganz entspannt umgehen. Eine Kakerlaken-Plage habe ich hier noch nicht wirklich mitbekommen.
Ganz anders sieht es bei einer anderen Insektengattung aus.
Denn welchen Viechern (tut mir leid, aber so muss man diese Geschöpfe nennen) man hier immer wieder begegnet und zwar nicht nur im Waschbecken, an der Zimmerwand, im Mülleimer oder auf dem Boden sondern auch auf dem Essen, in den Süßigkeiten und überall auf der Haut sind die Ameisen. Ja richtig, nicht diese roten fiesen, die einem auf die nackte Haut pieseln sondern winzig kleine Ameisen, die nichts machen außer einen zum Wahnsinn zu bringen.
Wie schon geschrieben begrüßen mich die kleinen Tierchen bereits morgens im Waschbecken und jeden Morgen ertränke ich um die 5-30 Ameisen (ich glaube, die stehen auf Zahnpasta....). Es ist wirklich jeden Moren das gleiche Ritual.
Seit einigen Wochen haben die Ameisen es auch auf meinen Schreibtisch geschafft und krabbeln in meinem Netbook herum. Von da aus geht es dann, logischerweise, auf meine Arme, die sowohl in Kontakt mit dem Tisch als auch dem Netbook sind. Wenn ich aus dem Zimmer gehe verabschiedet mich eine malerische Ameisenstraße an der Wand, wenn ich wiedergekomme und genau auf den Boden schaue laufen auch dort Ameisen rum. Das ist wirklich was für kühle Köpfe.
Noch haben die Ameisen zum Glück noch nicht meine Süßigkeitenvorräte, die ich aus Deutschland geschicht bekommen habe für sich eingenommen. Man muss wirklich sagen "eingenommen", denn sind die possierlichen Tierchen erstmal irgendwo drauf oder drin bekommt man sie ganz schwer oder effektiv und ein für allemal mit Insektengift weg. Wobei die zweite Lösung nicht ideal ist, um Nahrungsmittel zu schützen.
Man darf wirklich nicht pingelig sein, was mir Anfangs wirklich schwer fiel, denn ich mag es eigentlich nicht so gerne Tiere zu töten. Was ich aber bei den Mücken schon nicht mehr eingehalten habe und bei den Ameisen jetzt erst recht nicht kann.
Für Nikolaus hatte ich Stutenkerle gebacken, sie mit einem Tuch abgedeckt und am nächsten Morgen. Mal raten? Natürlich, es waren richtig viele Ameisen auf den armen Männchen drauf. Aber statt die Armen Kerle wegzuschmeißen haben wir die Ameisen so gut es ging weggepustet!
Die Stutenkerle waren auf jeden Fall trotzdem lecker.
Ja, so ist das hier mit uns und den Krabbeltieren. Ich denke, ich werde auch weiterhin damit fertig, aber es härtet einen noch einmal zusätzlich ab!